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![]() Ergebnisse einer Einstellungs- und Wertestudie in Österreich zu Mutter- und Vaterrolle, Erwerbstätigkeit der Frau und KinderbetreuungIn Österreich herrscht nach wie vor ein Mutter- bzw. Vaterbild vor, welches sich zum größten Teil an der traditionellen Rollenaufteilung von Frau und Mann orientiert. Eine Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung der Universität Wien gibt einen Einblick in die in Österreich herrschende Wertestruktur bezüglich Mutter- und Vaterrolle, Erwerbstätigkeit von Müttern mit einem unter dreijährigem Kind und Kinderbetreuung. Die im Frühjahr 2004 von Olaf Kapella und Christiane Rille-Pfeiffer durchgeführte Studie war bundesweit repräsentativ angelegt und umfasste 1.000 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren. Lesen Sie hier wesentliche Ergebnisse der Studie, die im Rahmen der Evaluierung des Kinderbetreuungsgeldes erstellt wurde.Das Mutterbild der befragten Personen scheint weniger stark konservativ zu sein als in den zugrunde gelegten Hypothesen angenommen. So zeigt sich in Bezug auf die Vorstellung von einer guten Mutter eines Kleinkindes (d.h. unter dreijährigen Kindes) eine gewisse Differenziertheit. Auf der einen Seite erachtet es die Mehrheit der Befragten (72%) für absolut notwendig, dass eine gute Mutter möglichst viel Zeit mit ihrem Kind verbringt. Fast genauso viele Personen sind jedoch davon überzeugt, dass andere Betreuungspersonen (z.B. der Vater) mit einbezogen werden sollen. Auf der anderen Seite ist aber auch ein großes Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse der Mutter vorhanden. Diese sind nicht, wie in den gebildeten Hypothesen angenommen, hinter die Bedürfnisse des Kindes zu stellen. So erachten es 60% der Befragten für absolut notwendig, dass die Mutter auf ihre eigene Zufriedenheit achtet. Immerhin ein knappes Fünftel der Befragten (18%) hält es für eher schlecht, wenn sich eine Mutter ausschließlich an den kindlichen Bedürfnissen orientiert. Dabei zeigen sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Einstellungen. Parallel zum Mutterbild wurden die Kontaktpersonen auch zu ihren Einstellungen hinsichtlich der Rolle von Vätern befragt. Es zeigt sich zwar deutlich, dass die österreichische Bevölkerung nicht mehr in dem traditionellen Bild des Vaters als reiner Familienernährer verhaftet ist. Dennoch wird die finanzielle Absicherung der Familie als Hauptaufgabe eines guten Vaters gesehen. 60% der befragten Personen halten dies für absolut notwendig, 38% für eher schon wichtig. Aber immerhin jede beziehungsweise jeder zweite Befragte erwartet von einem guten Vater auch, dass er mehr Aufgaben in der Familie übernimmt und sich gleichberechtigt um das Kind kümmert. 53% bzw. 52% halten diese beiden Aufgaben für ein positives Vaterbild absolut notwendig, 43% für eher schon wichtig. Ob Väter in Karenz gehen oder nicht, spielt keine wesentliche Rolle für die Vorstellung eines guten Vaters. Trotz der diesbezüglich regen öffentlichen Diskussion scheint also die Beteiligung an der Karenz kein vordergründiges Kriterium für einen guten Vater zu sein. An letzter Stelle der Kriterien, die für einen guten Vater wichtig sein sollten, steht die Konzentration auf den Beruf. Hier wird eine gewisse Diskrepanz in den Einstellungen sichtbar, die auch als ursächlich für das Spannungsfeld angenommen werden können, in dem sich junge Männer heutzutage befinden: Ein guter Vater ist zwar einerseits für die finanzielle Absicherung der Familie zuständig, sollte sich jedoch andererseits beruflich nicht allzu stark engagieren.
Sollen Mütter arbeiten?Drei Viertel der Befragten finden generell die Erwerbstätigkeit von Frauen (sehr) wichtig, wobei Frauen dies tendenziell als wichtiger erachten als Männer. Allerdings wird die Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern weniger befürwortet als die Erwerbstätigkeit von Frauen ganz allgemein. Dennoch kann auch die Erwerbstätigkeit von Müttern mit kleinen Kindern als weitgehend gesellschaftlich akzeptiert angesehen werden - abhängig von Alter und Arbeitsausmaß.
Wer betreut das Kind?Eine der Ausgangshypothesen der Wertestudie war, dass in Österreich ein recht eindeutiges, gesellschaftliches Bild hinsichtlich des Wohls und der Bedürfnisse eines unter dreijährigen Kindes herrscht und folgendermaßen zu charakterisieren ist: In den ersten Lebensjahren braucht das Kind für seine gesunde Entwicklung eine einzige, konstante Bezugsperson, die idealerweise die Mutter sein sollte. Mehrere Bezugspersonen verunsichern das Kind und können zu Problemen hinsichtlich der Bindungsfähigkeit führen. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die beschriebenen Werthaltungen zwar existieren, jedoch in der Bevölkerung weitaus nicht so verbreitet sind wie vermutet.Die überwiegende Mehrheit - fast zwei Drittel (64%) - der befragten Personen ist der Ansicht, dass es für das Wohl und die Entwicklung eines unter dreijährigen Kindes besser ist, von mehreren Bezugspersonen betreut zu werden. Die Annahme, dass unter der österreichischen Bevölkerung ein sich ausschließlich an der Mutter als Bezugsperson orientierendes traditionalistisches Bild zum Kindeswohl existiert, musste somit verworfen werden. Allerdings sind für ein Drittel der Befragten andere Bezugspersonen neben den Eltern erst ab einem Alter von drei Jahren denkbar. Vater und Mutter können das Kind prinzipiell gleich gut betreuen - die Mutter wird nicht grundsätzlich für die bessere Betreuungsperson gehalten. Eine externe Betreuungseinrichtung ist für drei Viertel der befragten Personen erst ab einem Alter von mindestens drei Jahren akzeptabel. Besonders wichtig sind in diesem Zusammenhang die finanzielle Leistbarkeit und das gute pädagogische Konzept. Neben der Mutter werden der Vater und die weiblichen Verwandten der institutionellen Kinderbetreuung vorgezogen. Download der vollständigen Studie: Olaf Kapella, Christiane Rille-Pfeiffer: Einstellungen und Werthaltungen zu Themen der Vereinbarkeit von Familie und Erwerb. Deskriptive Ergebnisse einer Einstellungs- und Wertestudie zu Mutter- und Vaterrolle, Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit der Frau. ÖIF Working Paper Nr. 66 / 2007. (PDF-Datei, 64 Seiten, 540 kB) E-Mail: olaf.kapella@oif.ac.at Quelle
Dieser Artikel erschien in beziehungsweise, Ausgabe 16-17/2007. Autoren
Dipl.-Sozialpäd. Olaf Kapella studierte Sozialpädagogik in Bamberg und Coburg. Arbeitsschwerpunkte: Genderforschung, Sexualpädagogik, Evaluierung des Kinderbetreuungsgeldes, Partnerschaft, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. | ||||||||||
Letzte Änderung: 18.03.2008 10:44:25 | |||||||||||