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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Gelderziehung und Taschengeld

Hermann Liebenow      Foto: Hermann Liebenow


Die Gelderziehung beginnt mit der Anerkennung kleiner Schatzsammlungen des Kindes und reicht noch über den ersten Umgang mit Kapital hinaus.

Seit mehr als 2500 Jahren beflügelt Münzgeld die europäischen Märkte. Weltberühmt wurde der reiche König Krösus - der sein Land allerdings an die mächtigeren Perser verlor. Heutzutage jagen smarte Devisenhändler im Cyber-Banking unfassliche Beträge um die Welt - das kann ganze Staaten ruinieren. Unsereiner aber haftet mit seinem gesamten Privatvermögen für jeden Kleinkredit der Bank.

Wie soll man das verstehen? Womit verdienen die einen sehr hohe Einkommen, während den anderen der Lohn gerade so zum Auskommen reicht? Wie lernen junge Menschen, angesichts all der Verlockungen des Marktes mit ihren nie für alles reichenden Geldbeträgen auszukommen?

Wissenslücken

Erschreckend viele junge Menschen wissen kaum mehr vom Geld, als dass sie irgendwie zu welchem kommen müssten - etwa um die Handykarten und das Mopedbenzin im Voraus bezahlen zu können. Sie sind ohne eine Grundidee wie "Geld zeigt geleistete Arbeit" verständnislos ihrem Neid ausgeliefert. Und das rächt sich, kaum sind sie volljährig, durch schnelle Verschuldung mit Ratenkäufen, Kleinkrediten und unsinnigen Versicherungsverträgen.

Schritte der Gelderziehung

Junge Menschen brauchen eine gezielte Gelderziehung. Und die verläuft in drei Strängen:
  • dem Geldumgang überhaupt,
  • dem Erarbeiten von Geld
  • und der Nutzung von Kapital.
Die Gelderziehung beginnt bereits früh mit der Anerkennung für vom Kind gesammelte Schneckenhäuser oder Murmeln. Diese frühe Wertschätzung erleichtert, kleines Taschengeld erhaltende Schulkinder zum Drei-Kassen-System mit Geldbeutel, Spardose und Sparbuch zu führen. Älteren Kindern sollte bei Gelegenheit auch mal etwas Buchführung nahe gelegt werden - nicht nur über das Sparen, sondern auch über ihren Straßenhandel mit alten Spielsachen etwa.

Die üblichen Haus-Dienste bleiben selbstverständlich ohne Geldzahlungen, wie z.B. das Geschirr-Abräumen. Sehr bewährt ist aber, alljährlich einige bezahlte Haus-Jobs aus zu handeln, z.B. die Flaschen zu entsorgen. Es gibt unzählige Möglichkeiten für solche Zuverdienste. Ältere Schüler suchen sich dann viel motivierter ihre ersten Jobs, vom Kellnern bei Familienfeiern bis zum Werbeblätteraustragen, beispielsweise.

Mühsam, aber pädagogisch sinnvoll sind Auseinandersetzungen über die Höhe elterlicher Grundbeträge und Zulagen: "Für neue Jeans gebe ich Dir den Grundbetrag von 25 Euro, den Designer-Preis darüber hinaus musst Du halt selbst aufbringen!" Das motiviert einerseits, für die eigenen Wünsche zu arbeiten, bildet andererseits aber auch selbständige Wertentscheidungen.

Schließlich sollten ältere Jugendliche noch vor der Volljährigkeit kontrolliert an den Umgang mit Geldverträgen und Kapital heran geführt werden, beispielsweise mit virtuellen Aktienkonten im Internet.

Empfehlungen

Altersangaben und Stichworte sind empfehlend gemeint.


ALTER (Jahre) TASCHENGELD (Spanne) ZUVERDIENST (Arbeit) ZUWENDUNG Sponsoren KAPITAL
KREDIT
18 50 Euro
(25-75 Euro)
Extras (Führerschein) evtl. Kostgeld nehmen Kapitalanlage
Überziehungs-Kredit
16 40 Euro
(20-60 Euro)
Ferienjob max. 4 Wochen
Zulage auf Kapitalnutzung
Anlage-Tests
Eltern - Vorabzug
14 30 Euro
(15-45 Euro)
Nebenjobs (z.B. Austragen)
Grundbeträge (Kleidergeld)
Jugend - Giro
Vorschuss abstottern
12 20 Euro
(10-30 Euro)
weitere Hausjobs
ggf. Vorleistungen erwarten
Buchführung
Vorschuss
10 15 Euro
(7-23 Euro)
Hausjobs (z.B. Leergut)
Zulage auf gute Eigenanteile
Sparzinsen ansparen
8 5 Euro
zweiwöchentlich
Zensuren-Lohn
Geld für Förderwürdiges
Sparkonto
mit Buch und Zins
7 2 Euro
wöchentlich
Rausgeld von Einkaufhilfe
Kleines Geld-Präsent
Spardose
als Puffer
6 1,5 Euro
wöchentlich
Kleine Geldbelohnungen,
zugestecktes Münzgeld
Geldbeutel und
Sparbüchse
5 50 Cents wöchentlich Abgezähltes Kiosk-Geld
Überreichtes Rausgeld
Schatzkästchen
4 Mitbringsel
gelegentlich
Lob für Mithilfe Sammlungen


Die angegebenen Beträge sind Durchschnitts-Vorschläge auch für das Jahr 2003. Familien haben sehr unterschiedliche Möglichkeiten, Stile und Erwartungen; diese Schwankungsbreite ist in den Klammern angegeben.

Ziele der Gelderziehung

Klagen über die Macht der Werbung und die Verführungen der Warenwelt helfen pädagogisch zunächst wenig: Denn heutige Kinder müssen theoretisch und praktisch lernen, aus dem Überfluss der Angebote das ihnen Mögliche und für sie Sinnvolle heraus zu wählen. Und wir müssen ihnen schon früh ermöglichen, durch Arbeit und Leistung etwas Geld zu verdienen. Das züchtet keine Materialisten - im Gegenteil: Es bildet früh erste Wertentscheidungen und Willenskraft.

Mit dieser Grundlage haben dann die älteren Jugendlichen schon bessere Chancen, ihren eigenen Geld-Umgang zu unterscheiden von ihren allgemeinen Ansichten zum Geldwesen überhaupt.

Weiterführende Hinweise

Es gibt sehr viele nützliche Internetadressen - für Schülerjobs etwa oder auch zur Schuldnerberatung. Lassen Sie doch erst die Kids selbst danach suchen mit den üblichen Stichworten, bevor Sie dann miteinander darüber debattieren. Das mag zwar auch mal ärgerlich ablaufen, bringt aber die notwendigen Wertentscheidungen ins Gespräch. Letztlich erweist sich die "Persönlichkeit" eben auch am Umgang mit dem Geld.

Literatur

Liebenow, H. (2002): Taschengeld & Co. München: Ernst-Reinhardt-Verlag. Ein Eltern-Ratgeber von 140 gut aufgeteilten Seiten, mit Cartoons von Manfred Bofinger, geldhistorischen Anekdoten und vielen InterNet-Adressen

Zarlenga, S. (1999): Der Mythos vom Geld - die Geschichte der Macht. Zürich: Conzett.

Autor

Dr. Hermann Liebenow, geb. 1951, Dipl. Psych., Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Autor. Seit 1980 Leiter der kommunalen Erziehungsberatungsstelle in Münsingen. Vorträge und Weiteres unter www.familienschule.de

Adresse

Dr. Hermann Liebenow
Im Spitzbubenhäule 33
72813 St.Johann

E-Mail: liebenow@familienschule.de

Internet: www.familienschule.de


Letzte Änderung: 05.02.2007 10:56:46Zum Seitenanfang