ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜKonsequenz: Regeln und GrenzenBeate Weymann Konsequent sein bedeutet, sich folgerichtig zu benehmen. Es ist für Kinder von großer Bedeutung zu merken, daß sich Dinge nach Gesetzmäßigkeiten verändern und daß Menschen im Großen und Ganzen übersichtlichen Regeln folgen. Nur auf diese Art und Weise werden sie in die Lage versetzt, sich in einer komplizierten Welt zu orientieren. Für die Erziehung kann man folgendes ableiten:
Grenzen setzenUnter Fachleuten ist das heutzutage kein Thema mehr. Niemand sagt mehr, daß ausschließlich die totale Freiheit eine optimale Entwicklung gewährleistet. Zwischen den Extremen: Zucht- und Ordnung-Methoden der Urgroßeltern einerseits, und den antiautoritären Idealen der 68er-Elterngeneration andererseits wird heute ein Mittelweg als am geeignetsten angesehen. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, daß dieser Mittelweg tatsächlich ein goldener ist. Diana Baumrind, eine geschätzte Entwicklungspsychologin aus Berkeley in Kalifornien kam nach jahrelangen Forschungen zu folgenden Ergebnissen: Die selbstbewußtesten und kontrolliertesten, zufriedendsten, unternehmungslustigsten und unabhängigsten Kinder entstanden bei einer Erziehung, die sowohl klare Grenzen beinhaltete, auf der anderen Seite aber auch eine besondere menschliche Wärme anbot.Grenzen benötigt man aus folgenden Gründen:
Wie man sich sich durchsetztLebhafte Kinder benötigen mehr Grenzen als ruhige, beobachtende. Manche Kinder sprechen schon auf die leiseste Warnung an, anderen dagegen kommt man mit Worten fast gar nicht bei. Wenn man sein Kind genau beobachtet, weiß man, wo angemessene Grenzen gesetzt werden müssen. Auch sollte man sich überlegen, wo man selbst ein Auge zudrücken möchte und wo man auf keinen Fall nachgeben möchte. Grenzen müssen ganz klar und vorhersehbar gesetzt werden. Man kann seinem Kind die Gründe erklären. Folgt das Kind dann nicht, muß man bestimmter auftreten, sehr ruhig und ganz klar "Nein!" sagen. Hilft das auch nicht, so kann man den Gegenstand wegbringen, das Kind wegtragen oder aber auch ablenken. Bei älteren Kindern hilft manchmal vielleicht nur eine leichte Drohung oder noch schlimmer nur die klare Strafe.Kinder sollten nur dann zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie eine Regel darüber kannten, d.h. wenn sie genau vorher wußten, daß etwas Bestimmtes verboten ist. Strafen sollten sich in einem logischen Zusammenhang mit dem Fehlverhalten bewegen. Ein Lerneffekt ist dann zu erreichen, wenn ein positiver Sinn sichtbar wird. Bei Strafen muß man konsequent bleiben, nichts drohen, was man nachher nicht einhalten kann. Eine sparsame Dosierung ist auch wichtig, genauso das richtige Verhältnis zum Fehlverhalten. Man kann nicht für ein kleines Fehlverhalten eine große Strafe anwenden - was soll dann noch passieren, wenn was wirklich Schlimmes passiert? Das Wichtigste ist: Konsequent sein, Ruhe bewahren, möglichst liebevoll. Die Reaktion der Eltern sollte nie so ausfallen, daß das Kind sie um ihrer selbst willen hervorrufen will (weil es so lustig aussieht, wenn Mama wild gestikuliert!). Wie Eltern reagierenDie Forschung hat festgestellt, daß 3 Reaktionsmuster von Eltern auf das ungezügelte Verhalten ihrer Kinder auftauchen: Aggressivität, Passivität und Bestimmtheit.Aggressive Eltern sind ständig wütend auf ihre Kinder. Allerdings sind meistens nicht die Kinder daran schuld, sondern ihre Unzufriedenheit mit ihrer Ehe, ihrer Arbeit, der Menschheit schlechthin oder auch nur die Tatsache, daß sie sich mit ihrer Elternrolle nicht wohl fühlen, bzw. sie ablehnen. Diese Eltern reagieren ihre innere Verspannung an den Kindern ab. Es kommt vor, daß Kinder das aggressive Verhalten ihrer Eltern als eine Art von Liebe interpretieren: "Immerhin sind sie so interessiert an mir, daß sie mich anbrüllen und da sie so laut schreien, müssen sie mich lieben!" Eine negative Reaktion ist besser als gar keine Reaktion! Diese Kinder zeigen die Tendenz, zurückzuschreien (um die Liebe zurückzugeben), was dazu führt, daß Schreien an der Tagesordnung dann sein wird. Ganze Familien können sich dieses Kommunikationsmuster aneignen, was auf Außenstehende sehr bedrohlich wirkt, für die Familie an sich aber eine gewisse Intimität bedeutet, die allen Beteiligten fehlen würde, wäre sie nicht mehr da!! Andere Kinder merken, daß die Beschimpfungen tatsächlich negativ gemeint sind, ziehen sich zurück und verkümmern innerlich. Oder sie erfüllen die in sie gesetzten Erwartungen: Nervensägen, Faulpelze etc. entstehen. Solche Kinder sind nur aus der Angst heraus gehorsam. Allerdings kann die Angst auch in Aggressivität umschlagen. Wenn die Kinder alt genug sind, wehren sie sich womöglich körperlich. Bei aggressiven Eltern entstehen meistens verängstigte und eingeschüchterte oder aber rebellische und trotzige Kinder. Auch eine Mischung der beiden Formen ist denkbar! Man setzt mit Strafe auch mehr auf Dressur als auf Einsicht. Bruno Bettelheim, der berühmte Kinderpsychologe, sagt hierzu: "Angst vor Strafe kann zwar davon abhalten, etwas Unrechtes zu tun, aber sie veranlaßt uns nicht, das Rechte zu tun." Strafen machen auch dumm, denn Kinder, die permanent Angst vor Strafe besitzen, gehen weniger Risiko ein und probieren weniger aus als Kinder mit größerem Freiraum. Schlimm ist auch, daß Strafen sich zwangsläufig abnutzen. Ein Kind, das aufgrund ungehörigen Verhaltens immer wieder die gleiche Strafe erlebt, läßt sich davon jedesmal weniger einschüchtern. Daraus folgt, daß die Eltern gezwungen werden, die Strafdosis zu erhöhen bzw. sich eine neue Strafe auszudenken. Körperliche Strafen demonstrieren nur die elterliche Macht. Genauso schädlich wie körperliche Strafen sind Strafen, die die Seele treffen wie schweigen, links liegen lassen, Sätze wie "Ich habe dich nicht mehr lieb!". Liebesentzug macht das Vertrauen kaputt und zerstört das Selbstwertgefühl. Passive Eltern gibt es an allen OrtenPassive Eltern merken früher oder später, daß ihnen die Kinder auf der Nase herumtanzen, daß sie nicht ernst genommen werden. Zuerst geben sie dem kindlichen Willen nach, später aber entstehen großer Ärger und Müdigkeit, da es sehr anstrengend ist, dem Kind alles und jedes zu gestatten. Schließlich kommt man an den Punkt, wo eine bestimmte Ordnung doch wieder gewünscht wird. Das Geduldsende ist meist durch ein Donnerwetter gekennzeichnet - die Kinder werden jetzt aufgebracht und unkontrolliert diszipliniert ("Strafe im Zorn kennt weder Maß noch Ziel!"). Es stellt bestimmt keine Überraschung dar, daß Mißhandlungen oft von eher passiven Eltern begangen werden: Schüchterne Eltern, die irgendwann, nach einem lange schwelenden Zorn, explodieren. Das Muster: Nachgeben, nachgeben, nachgeben, aus der Haut fahren bzw. explodieren, ist also ziemlich gefährlich, ganz zu schweigen von unangebracht. Es ließ sich in Untersuchungen feststellen, daß rund 30 Prozent aller Eltern solch ein Verhaltensmuster an den Tag legen, vorwiegend, wenn sie kleine Kinder haben und über sehr wenig Erfahrung verfügen.Bestimmt auftretende ElternDer beste Weg sieht so aus, daß man seinen Kindern gegenüber bestimmt auftritt. Mit bestimmt auftreten ist gemeint: Entschlossenheit, innerlich gefestigt, Zuversicht, Entspannung. Solch ein selbstsicheres und bestimmtes Auftreten gegenüber Kindern findet man gegenwärtig eher selten.Wenn man viel Zeit miteinander verbringt, wächst das Vertrauen und die Vertrautheit zwischen Eltern und Kindern, was dazuführt, daß die Kinder bereitwilliger die Wünsche der Eltern erfüllen. Dies ist doch bei Erwachsenen nicht anders: Man tut gern etwas für Menschen, die einem vertrauen und viel Gutes zutrauen! Unterschiede hinsichtlich der Selbsteinschätzung bestehen: Schwache Eltern denken:
Die AuszeitEine Allround-Strafe, die sehr erfolgreich ist, ist das time-out, die Auszeit. Probleme mit dem Gehorchen oder dem Temperament im Vorschul- und Grundschulalter sind damit zu bewältigen. Hierbei schließt man das Kind für eine kurze Weile von einer Aktivität aus, bzw. setzt es in ein anderes Zimmer. Das Kind kommt dadurch zur Ruhe und erhält in der Zeit auch keine weitere Aufmerksamkeit. Bei "bockigen" Kindern und bei Machtkämpfen ist es ein gutes Mittel. Man kann das Kind auch vom Spiel ausschließen und kurz zugucken lassen, bis es sich beruhigt hat (bei Fünfjährigen ca.5 Minuten, bei Siebenjährigen ca. 7 Minuten als Faustregel). Bevor man dies tut, sollte man 2 mal gewarnt haben. Wenn die Auszeit schwer durchführbar ist, kann man auch sich selbst aus dem Blickfeld begeben.ZusammenfassungBestimmt auftretende Eltern:
Vater sein heißt, der Partnerin den Rücken stärkenVieles ist im Leben einfacher, wenn andere einen unterstützen, v.a. in der Kindererziehung. Für die Erziehung von Kindern benötigt man Entschlossenheit, Mut und Hingabe. Nichts kann einen so unterstützen wie die Rückenstärkung durch den Partner. Früher wurde das eher mißbraucht nach dem Motto: "Warte, bis dein Vater nach Hause kommt!" Hier sollte der Vater wiedergutmachen, was die Mutter nicht hinbekommen hat. Der Vater wollte aber eigentlich nur entspannen abends. Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, das eine Mutter, die mit ihrem Kind etwas geregelt hat, dieses mit ihm auch alleine durchsteht. Der Vater sollte nur dafür sorgen, daß die Sache vorankommt. Ganz wichtig ist, daß sie einer Meinung sind, nicht der eine "hüh" und der andere "hott" sagt. Wenn man den Satz hört: "Das ist ungerecht, ihr seid beide gegen mich!", dann hat man alles richtig gemacht.AusklangVon seiner Meinung darf man abweichen, d.h. eine neue Regel einführen, wenn:
Niemand ist perfekt!Man merkt jedoch immer wieder, daß man sich nicht vollkommen verhält, z.B. einmal zu wenig konsequent war etc. Auch Kinder sind nicht perfekt, was manchen Eltern schwer fällt, zu akzeptieren. Diese Eltern wollen alles ändern, was ihnen nicht zusagt. Dieses kann selbstverständlich nicht gelingen!! Niemand ist in der Lage, sich gänzlich nach dem Bild eines anderen Menschen zu entwickeln. So entsteht ein Genörgele! Beim Kind bewirkt das, daß es unsicher, gehemmt oder trotzig wird, denn es ist sehr schlimm, wenn jemand etwas anderes darstellen soll, als er sein kann oder möchte. Es ist viel angebrachter, sich auf die guten Eigenschaften des Kindes zu besinnen, das Ganze also von der anderen Seite anzusehen. Alles hat bekanntlich zwei Seiten: Das Glas ist halbvoll oder halbleer. Beispiel: Es ist zwar wild, aber dann wieder sehr anhänglich und lieb. Wenn man sich über die guten Eigenschaften des Kindes freut, anstatt sich über die weniger guten permanent aufzuregen und herumzunörgeln, hat man sich, dem Kind und dem Familienklima insgesamt viel Gutes getan. Ist das nicht drei Minuten nachdenken wert?LiteraturSteve Biddulph, Das Geheimnis glücklicher Kinder, Rheda-Wiedenbrück, Bertelsmann Club GmbH, 1994. Autorin
Beate Weymann, Diplom-Sozialpädagogin (FH) | ||
Letzte Änderung: 28.11.2008 15:49:46 |