Hauptmenü

Hauptseite
Familienhandbuch-
Forum

Stichwortsuche

von A bis Z

Aktivitäten mit Kindern
Angebote/Hilfen
Behinderung
Elternschaft
Ernährung
Erziehungsbereiche
Erziehungsfragen
Familie und Beruf
Familienbildung
Familienforschung
Familienpolitik
Gesundheit
Häufige Probleme
Haushalt/Finanzen
Jugendforschung
Kindertagesbetreuung
Kindheitsforschung
Kindliche Entwicklung
Leistungen für Familien
Partnerschaft
Rechtsfragen
Schule
Teil- und Stieffamilien
Trennung/Scheidung

Verschiedenes

Impressum
Kontakt
Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Gurkengeist und Rübenrenner - das gesunde zweite Frühstück

Bärbel Merthan


Wie sieht die Brotzeit von Kindergartenkindern aus?

Betrachten Sie einmal mit mir die täglich von den Müttern einer Kindergartengruppe zubereitete "Brotzeit". Für kleine Kinder ist sie ein Stück von zu Hause. Gerade in den ersten Tagen geschieht es immer wieder, dass Kinder ihre Brotzeit nicht essen wollen - es scheint beim Verzehr, als wenn eine Verbindung zwischen ihnen und ihren Müttern unterbrochen würde. Mit der Zeit wird das Kind sicherer, dass es auch wirklich wieder abgeholt wird, und dann isst es auch seine Brotzeit.

Wie sieht es in den Brotzeitdosen an einem beliebigen Wochentag aus?
  • Eine doppelte Scheibe Graubrot mit dick Butter, und fast genauso dick wie die Brotscheibe ist die Wurst. Dazu einen "Kinderjoghurt", der in der Werbung angepriesen wird.
  • Eine Scheibe Toastbrot mit Butter, geteilt und aufeinander gelegt, dazu eine Minisalami und einen kleinen Schokoriegel.
  • Eine auffallend große Brotzeitdose für ein kleines Kind. Sie enthält weitere Dosen mit Äpfeln, Möhren, Nüssen, einem Stück Vollkornbrot, einem Würstchen (in kleine Stücke geschnitten) und drei Gummibärchen.
  • Ein Glas mit selbstgemachtem Joghurt und eine kleine Dose mit vom Kind selbst geschnittenen Früchten zum Einrühren.
  • Weisbrot ohne Rinde mit Nussnugataufstrich.
  • Ein Stück Kuchen, ein Riegel Schokolade.
  • Eine Semmel mit Wurst und eine Banane.
  • Eine Vollkornsemmel mit Käse und Salat, Cocktailtomaten zum Dazuessen.
  • Eine Dose voll Löffelbiskuits und ein Pudding aus dem Kühlregal.
Dazu kommen noch aus der Werbung bekannte Produkte, die besonders viel Milch enthalten und die ideale Zwischenmahlzeit sein sollen. Diese Lebensmittel haben bestimmt drei bis vier Kinder aus der Kindergartengruppe dabei. Circa zwei weitere Kinder essen Minisalamis in Folie verpackt mit Brot.


Welche Faktoren spielen bei der Zubereitung eine Rolle?

Die meisten Mütter machen sich Gedanken um die richtige Ernährung der Familie. Doch neben dem Wissen um gesunde Ernährung spielen auch noch andere Faktoren bei der Zusammenstellung des Frühstücks mit hinein:
  • Zeitmangel am Morgen.
  • Was isst der Vater, das isst auch das Kind.
  • Was in der Reklame angepriesen wird.
  • Sie wissen nicht, welche Inhaltsstoffe die Fertigprodukte haben.
  • Das Kind isst schlecht - z.B. war es krank -, und so ist die Mutter froh, wenn es überhaupt irgendetwas isst - egal was!
  • Die Mutter kann sich gegenüber ihrem Kind nicht durchsetzen - es isst einfach nichts, was gesund wäre.

Was wollen wir mit dem zweiten Frühstück erreichen?

Das zweite Frühstück ist eine Zwischenmahlzeit, also keine große Hauptmahlzeit. Sie hat die Aufgabe, die Zeit zwischen Frühstück und Mittagessen zu überbrücken. Dem Leistungsabfall soll vorgebeugt werden, und der Hunger auf die Hauptmahlzeit soll nicht zum Heißhunger werden: Heißhunger verleitet zu unkontrolliertem Essen und zum Verzehr von Süßigkeiten. Da die kleinen Kinder die Brotzeit nicht unter der Kontrolle der Mütter einnehmen, soll das Kind schon früh in dem richtigen Ernährungsbewusstsein erzogen werden.

Wie bringe ich Kindern alles Wesentliche über gesunde und richtige Ernährung nahe?
  • Ein wesentlicher Punkt bei dieser Überlegung ist, sich Gedanken darüber zu machen, wie Sie sich selbst verhalten: Zelebrieren Sie die Zwischenmahlzeiten oder stopfen Sie nur etwas in sich hinein, um das lästige Hungergefühl zu vertreiben? Denken Sie stets daran, Sie sind das große Vorbild für Ihre Kinder: So wie Sie es machen und sich verhalten, verhalten sich auch Ihre Kinder. Diese lernen also durch Sie ihr Essverhalten.
  • Wichtig ist somit, dass sich auch die Eltern gesund ernähren. Das Kind würde nicht verstehen, warum die Eltern ständig etwas anderes essen als es zu sich nehmen soll.
  • Beziehen Sie das Kind in die Essensplanung mit ein, lassen Sie es zwischen zwei oder drei Alternativen entscheiden.
  • Beteiligen Sie das Kind an der Zubereitung.
  • Geben Sie Ihr Wissen über gesunde Nahrungsmittel an Ihr Kind weiter.
  • Vermitteln Sie dem Kind auch Freude an der Zubereitung und am Verzehr (Eltern als Vorbild). Essen ist kein lästiges Übel!
  • Bereiten Sie die Brotzeit ansprechend und kindgerecht zu.

Tipps für Speisen und Getränke

Beispiele für Gemüse und Obst

Gurkengeist: Das Ende einer Salatgurke großzügig abschneiden, etwa 8-10cm. Mit dem Messer zwei Augen in das Ende schnitzen. Ab dem Ende des Gurkenstücks etwa 5-6cm der Schale in feinen Streifen abschälen.


Gurkengeist


Rübenrenner: Die Karotte wird geschält, oben und unten gerade abgeschnitten. Vom oberen Teil der Karotte werden vier Räder abgeschnitten. Der Fahrerplatz wird angedeutet, und die Räder werden mit Zahnstochern an der "Rennmöhre" befestigt. Wichtig ist, zur Möhre stets gesundes Fett anzubieten, weil der Körper nur mit Fett das Karotin aufschlüsseln kann. Also Rübenrenner mit Butterbrot!


Rübenrenner


Gemüsesticks mit leckerem Dipp: Das Gemüse wird zu Sticks (in Streifen) geschnitten und ein Dipp zubereitet, z.B. aus Crème fraîche und Kräutern.

Gemüsespieße: Gemüsestückchen werden vom Kind in beliebiger Reihenfolge aufgespießt. Die Mutter hat eventuell zuvor mit dem Kind das Gemüse in kleine Stücke geschnitten. Dazu wieder Brot mit Butter reichen.

Gemüse- und Obstschiffe: Das Gemüse und Obst wird in Spalten geschnitten und mit Segeln oder Fahnen versehen. Die Segel und Fahnen gibt es zu kaufen (Partybedarf); das Kind kann sie natürlich auch selbst malen und an Zahnstocher kleben. Das ist eine schnelle Variante für eine interessante Brotzeit.

Obstspieße: Genauso wie bei den Gemüsespießen wird großes Obst zurechtgeschnitten und zusammen mit kleinen Teilen - wie Weintrauben, Erdbeeren... - auf den Spieß gesteckt.

Bananen-Krokodil: Schneiden Sie ein paar Zacken in den Bananenrücken, legen Sie die abgeschnittenen Zacken als Füße an die Banane und nun noch ein furchterregendes Maul und Augen - fertig ist das Untier. Bananen stoppen den Heißhunger auf Süßigkeiten.

Ein Bauernhof aus Apfel: Mit Hilfe von Ausstechformen lassen sich schnell Tiere aus Apfelscheiben ausstechen. Im Fachhandel gibt es Bauernhoftiere zu kaufen.


Beispiele für gesundes Brot

Haben Sie schon mal mit Ihrem Kind Brot gebacken? Kennt es den langen Weg vom Samenkorn zum Brot? Führen Sie so das Kind zur Wertschätzung eines unserer Grundnahrungsmittel. Hierzu tragen auch Geschichten und Legenden (z.B. Nikolaus) bei, die über Hungernöte berichten.
  • Toastbrot, Weißbrot und Brötchen aus hellem Weizenmehl sollten die Ausnahme in der kindlichen Ernährung sein.
  • Dunkles Brot ist wertvoller in Inhaltsstoffen, und es muss gekaut werden.
  • Hinweis für alle Kaufaulen: Kauen regt das Gehirn an, ist also eine Art "Gehirngymnastik". Durch das Kauen wird das Gehirn besser mit Sauerstoff versorgt.
  • Besonders interessant für Kinder ist es, besonders kleine Brote oder Brot in Tierformen zu backen. Diese können auch in großen Menge gebacken und eingefroren werden. Sie gibt es auch in guten Bäckereien zu kaufen.
  • Es können auch "Brotmäuse" aus Sonnenblumenbrot gebacken werden. Weitere Verarbeitung: quer aufschneiden, mit Frischkäse bestreichen, Schnittlauch als Schwanz und Schnurrbart hinzufügen und beide Brothälften zusammendrücken.

Brotmaus


Milchprodukte

Achten Sie beim Kauf auf den Fettgehalt und auf die Zuckermenge (Kohlenhydrate). Es geht hier nur um eine Zwischenmahlzeit - das Kind sollte den größten Teil seines Tagesfettbedarfs mit den Hauptmahlzeiten aufnehmen. Selbst bei einem erwachsenen Menschen mit normaler Tätigkeit liegt der Bedarf nur zwischen 30 und 40g Fett! Wie wäre es mit selbstgemachtem Joghurt (Joghurtbereiter) und frischem Obst? Wenn dies Ihnen zu zeitaufwändig ist, gibt es auch qualitativ gute Produkte zu kaufen.


Der Belag für die Brote

  • Achten Sie darauf, was Ihr Kind gerne isst.
  • Die Menge ist entscheidend. Sie machen keine Brote für einen Mann, der Schwerarbeit im Bergbau verrichtet, sondern eine Zwischenmahlzeit für ein Kind. Hier ist die Menge stark zu reduzieren.

Süßigkeiten

Falls es erlaubt ist, Süßigkeiten mit in den Kindergarten oder in die Schule zu bringen, sollten die Mengen klein sein!
  • Achten Sie auf die Hinweise für zuckerfreie Süßigkeiten - Symbol: der lachende Zahn.
  • Gummibären und Fruchtgummis sind auch zu empfehlen; sie sind fettfrei.
  • Zuckerfreie Kaugummis zur Zahnreinigung und als Süßigkeit sind super - falls erlaubt.
  • Gut und gesund ist auch Studentenfutter (verschiedene Nüsse und Rosinen).

Getränke

  • Viele Getränke, die den Kindern gut schmecken, enthalten zu viel Zucker. Limo, Cola und Kindercola sollten deshalb gemieden werden; es sind heimliche Dickmacher.
  • Frucht- und Kräutertees sollten mit Honig gesüßt und Fruchtsäfte mit Mineralwasser verdünnt. Hier ist der bekannteste Vertreter die Apfelschorle - der Mineralstofflieferant unter den Getränken (enthält Kalium und ist reich an Magnesium). Achten Sie beim Kauf auf ungesüßte Säfte (bzw. auf den Hinweis "Saft ohne Zuckergehalt").
  • Oft werden diese Getränke auch im Kindergarten angeboten; in die Schule muss das Getränk mitgenommen werden.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind viel und das Richtige trinkt.
Ein Getränk der besonderen Art ist ein Milchmixgetränk: Es enthält alles, was in einem zweiten Frühstück enthalten sein sollte und schmeckt super. Zubereitung: Saft einer Apfelsine und einer halben Zitrone, 2 Esslöffel Schmelzflocken, 1 Banane und 1 Glas Milch (wählen Sie zwischen 0,3 und 3,5% Fett) im Mixer gut durchmixen, bis eine homogene Flüssigkeit entstanden ist. In einen verschließbaren Trinkbecher füllen und einen Strohhalm dazugeben. Das kommt bestimmt gut an! Dieses Getränk nimmt den Heißhunger auf Süßigkeiten, lässt den Blutzuckerspiegel nicht zu hoch ansteigen und hält somit lange satt. Milch ist ein wichtiger Kalziumlieferant; die Getreideflocken enthalten Mineralstoffe; Zitrone und Orange liefern Vitamin C; die Banane enthält Kalzium und Vitamine und ist sättigend.


Milchmixgetränk


Schlusswort

Natürlich sind die Vorschläge, die ich hier mache, mit einigem Arbeits- und Zeitaufwand verbunden, doch es geht um die Gesundheit Ihres Kindes! Sicher haben Sie schon der Presse entnommen, dass die Zahlen der fehlernährten Kinder in erschreckendem Maße zunimmt und sich schon im Kindesalter Krankheiten einstellen, die auf Übergewicht zurück zu führen sind. Wichtig neben der gesunden Ernährung, ist auch ein ausreichendes Angebot an Bewegung.


Autorin

Bärbel Merthan leitet einen Kindergarten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.


Adresse

Bärbel Merthan
Lothdorf 1
82418 Riegsee


Letzte Änderung: 09.07.2004 11:41:12Zum Seitenanfang