ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜMänner machen Geschichte, Frauen machen sauber...Karin Vorländer Sisyphos lässt grüssenAllen ... spezifischen Frauen-Arbeitsgebieten ist zweierlei gemeinsam: Sie erhalten Werte und geben dem Leben eine bestimmte Lebensqualität.Fundamental wichtig ist diese Frauen-Arbeit deshalb, weil sie unmittelbar dem Leben zugute kommt, weil sie die Grundbedürfnisse befriedigt, ohne die alles andere wie Kultur, Kunst, Wissenschaft, Handel, Sport, Politik sich gar nicht entfalten könnte: Ausnahmslos alle Menschen müssen essen, sich kleiden, wohnen, brauchen verlässliche Beziehungen und einen gestalteten Lebensraum. Psychologen und Politiker aller Couleur werden nicht müde zu betonen, wie wichtig und unentbehrlich diese grundlegende Frauen-Arbeit für die Bewältigung des ganz normalen Alltags, für den Bestand der Familie, für eine gesunde Entwicklung der Kinder und den Zusammenhalt der Gesellschaft ist. Es ist diese Frauen-Arbeit - und nicht die Wirtschaft und nicht die Industrie -, die den Fortbestand der gesamten Gesellschaft von Tag zu Tag und von Generation zu Generation überhaupt möglich gemacht hat. Wo sie wegfällt, gehen grundlegende Kenntnisse der Daseinsbewältigung verloren, die Sucht- und Kriminalitätsgefährdung nimmt zu, die Bindungs- und Beziehungsfähigkeit ab. Frauen-Arbeit fällt erst auf, wenn sie ausfällt"Was ich tagsüber schaffe, wird entweder aufgegessen oder schnell wieder verdreckt", fasst Marion (34), Mutter von drei Kleinkindern, ihr gegenwärtiges Grundgefühl mit leisem Seufzen in Worte. Abends, wenn die Kinder im Bett sind, fragt sich die gelernte Tierarzthelferin oft: "Was habe ich heute eigentlich geschafft?"Manchmal, wenn sie ihrem Mann erzählt, was sie denn eigentlich den Tag über gemacht hat - eingekauft, Mittagessen gekocht, mit Marc und Fabian in der Spielgruppe gewesen, mit Sarah das kleine Einmaleins geübt, mit den dreien das Kinderzimmer aufgeräumt, zwei Maschinen Wäsche aufgehängt - kommt sie sich dabei ganz komisch vor. "Plötzlich erscheint mir das alles ziemlich unbedeutend. Was ich tue, ist doch im Grunde nichts Besonderes. Das kann doch eigentlich jeder. Es ist, als hätte ich eigentlich nichts Wirkliches geleistet", denkt sie dann. Und dann ist es da, dieses Aschenputtelgefühl, das Gefühl, nichts Wirkliches zu schaffen. Das hat sich erst geändert, als eine Freundin sie schwesterlich zur "Ordnung" gerufen hat: "Sag mal, spinnst du eigentlich, du warst schließlich einen ganzen Tag lang für drei Menschenkinder da", hat sie zu ihr gesagt. Frauen-Arbeit in der Familie hinterlässt kaum sichtbare Spuren, und ihre Ergebnisse scheinen selten von Dauer. Sie trägt alle Kennzeichen einer Sisyphosarbeit, denn sie ist eine Arbeit ohne Ende, die, kaum dass frau damit fertig ist, wieder von vorne beginnt. Das gute Gefühl, eine Arbeit erledigt zu haben, hält nur kurz an, dann rollt eine neue Woge von Staub und Dreck heran, ein neuer Wäscheberg taucht auf, und der Kühlschrank schreit nach Nachschub. Das Haus, eine Wohnung, Möbel, Gerätschaften, Kleidungsstücke bleiben nur erhalten, wenn sie geputzt und gepflegt werden und schadhafte Teile erneuert werden. Beziehungen bleiben nur lebendig, wenn sie gepflegt, gefördert und immer wieder neu "in Ordnung gebracht" werden. Kinder gedeihen nur, wenn sie in verlässlichen, tragfähigen Beziehungen heranwachsen, wenn es Erwachsene gibt, Frauen und Männer, Mütter und Väter, die sie mögen und für sie da sind. Noch oder immer noch sind es aber hauptsächlich die Frauen, die die Hauptverantwortung für diese Arbeit tragen. Obwohl es eine Arbeit ist, deren Wert nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, haben viele Frauen Mühe, ihr eigenes Tun selbst wertzuschätzen, ganz abgesehen davon, dass auch die gesellschaftliche Anerkennung zu wünschen übrig lässt. ...
Typisch Frauen-Arbeit: Unsichtbar und un(ter)bezahltArbeiten wie Hausarbeit, Familien- und Altenbetreuung, ehrenamtliche und freiwillige Tätigkeiten für Vereine oder Organisationen und informelle Hilfeleistungen für Nachbarn, Verwandte oder Bekannte sind zwar für unsere Gesellschaft unentbehrlich; ihre ökonomische Wertschätzung bleibt jedoch bis heute gering, und so genießt sie auch gesellschaftlich gesehen weder hohes Ansehen noch hat sie Stellenwert - schließlich wird der Wert einer Arbeit in unserer Konsum- und Leistungsgesellschaft fast ausschließlich nach dem bemessen, was sich auf dem Konto niederschlägt.Anmerkung"Wir stellen ein: Familienmanagerin" - Quelle: Deutsche Hausfrauengewerkschaft - Verband der Familienfrauen und -männer e.V.. Text: T. Schöllermann; Bearbeitung: I. Poetschk Quelle
Karin Vorländer: "Männer machen Geschichte, Frauen machen sauber..." Wege aus der Rollenfalle. Gießen: Brunnen Verlag 2003, S. 10-13, 16-20 | |||
Letzte Änderung: 19.01.2004 15:54:27 |