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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Frauen leisten ein Vielfaches an Familien- und Hausarbeit - mit oder ohne Job

Christina Luef      Foto: Christina Luef


Die Führung des Haushaltes liegt immer noch in der Hand der Frau, egal ob sie einer Arbeit nachgeht oder nicht. Dazu kommt die Hauptverantwortung über die Kinderbetreuung und die Pflege älterer und hilfsbedürftiger Angehöriger. Die steigende Anzahl institutioneller Betreuungsmöglichkeiten änderte bisher daran auch nicht viel. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist "die" Herausforderung der Frau von heute. Eine Auswertung verschiedener statistischer Quellen der letzten Jahre zeigt geschlechtsspezifische Unterschiede im Bereich der familiären Arbeitsteilung auf. Die von der "Statistik Austria" erstellte Publikation erschien im Auftrag der Bundesministerien für soziale Sicherheit und Generationen (BMSG) sowie für Bildung, Wissenschaft und Kultur (BMBWK).


Auswärtige Betreuung gefragt

Analog zur steigenden Zahl berufstätiger Mütter haben auch die Kinderbetreuungsplätze als unterstützende Einrichtung in den letzten Jahren zugenommen. Je älter die Kinder sind, desto flächendeckender können sie auswärtig in Obhut gegeben werden. Bundesweit werden in Kindergärten 58% der 3- bis unter 4-Jährigen, aber bereits 86% der 4- bis unter 5-Jährigen und 90% der 5- bis unter 6-Jährigen betreut. Im Osten Österreichs werden mehr Kinderbetreuungsplätze in Anspruch genommen als im Westen. Die regionalen Unterschiede hängen auch von den verschiedenen Richtlinien der einzelnen Länder für das Mindestalter bei der Kinderbetreuung ab. Mit Beginn des Schulbesuchs des Kindes sind Betreuungseinrichtungen nur mehr selten gefragt. 6% der 6- bis 11-Jährigen verbringen einen Teil ihrer Freizeit in Tagesheimen.

Die Betreuung der Kinder in den Familien wird zu 58% von Frauen übernommen. Lediglich ein geringer Prozentsatz (6%) kümmert sich kaum ums eigene Kind. Vor allem Schülerinnen und Studentinnen, die noch zu Hause bei den Eltern leben, gehören dieser Gruppe an. Von den Vätern stellen nur 4% den Hauptbetreuer ihrer Kinder. Keine oder geringe Anstrengungen in diese Richtung unternehmen 38% der Väter.

Erwerbstätige Mütter machen von Kinderbetreuungseinrichtungen häufiger Gebrauch als Mütter, die nicht arbeiten gehen. Das zeigt sich besonders bei der Gruppe der unter 3-Jährigen, die zu 8% institutionell betreut werden. 58% der Mütter dieser Gruppe gehen einer Beschäftigung nach, während nur 21% der Mütter mit Kindern, die nicht auswärtig betreut werden, erwerbstätig sind.

Kinder von Alleinerzieherinnen sind öfter in Betreuungseinrichtungen untergebracht als von in Partnerschaft lebenden Frauen (31 zu 24%). Demzufolge gehen auch mehr alleinerziehende Frauen arbeiten (72 zu 53%). Einen ähnlich hohen Anteil erreichen gebundene Frauen, wenn sie nur ein Kind unter 15 Jahren haben. Mit mehreren Kindern nimmt die Erwerbsbeteiligung wieder ab. Alleinerziehende Mütter sind auch eher beschäftigt als Frauen mit Partner, wenn die Kinder in keiner Betreuungseinrichtung beaufsichtigt werden.

Bei der Haushaltsführung klafft die Geschlechterschere ebenfalls weit auseinander. 60% der Frauen meistern den Haushalt allein, während der gleiche Prozentsatz an Männern so gut wie keinen Handgriff tätigt. Je knapp 30% der Männer und Frauen gaben an, die Haushaltsführung gemeinsam zu bestreiten. Ein Zeitvergleich von 1983 mit 1995 zeigt, dass der Anteil der im Haushalt "führenden" Frauen um nur 3% auf 60% gesunken ist.


Arbeitstier Frau

Angesichts der Dominanz der Frauen bei der Haushaltsführung verwundert es nicht, dass in Partnerschaft lebende Frauen mit mindestens einem Kind eine höhere Gesamtarbeitszeit als Männer aufweisen. In der Gesamtarbeitszeit sind Erwerbs-, Haus- und Familienarbeit zusammengefasst. Im Wochenschnitt arbeiten vollerwerbstätige Frauen mit 10 ½ Stunden um 1 ½ Stunden mehr als ihre Männer. Geht die Frau einer Teilzeitbeschäftigung nach, so verringert sich das Plus um eine ¾-Stunde auf 9 ¾ Stunden am Tag. Die Gesamtarbeitszeit der Männer bleibt in der Regel gleich, auch wenn die Erwerbstätigkeit der Frau zunimmt. Am Sonntag ist das Arbeitsvolumen der Frauen sogar um 2 bis 3 Stunden höher als das der Männer. Bereits bei den 15- bis 20-jährigen Jugendlichen ist diese Rollenteilung bemerkbar. Töchter helfen doppelt so viel im Haushalt mit als Söhne.


Hilfe im Alter ist weiblich

Frauen zeigen auch bei der Betreuung älterer Menschen (v.a. Angehörige) mehr Engagement als Männer. 80% der über 60-Jährigen werden von Familienmitgliedern betreut. Soziale Dienste hingegen werden nur zu 13% beansprucht. Weibliche Verwandte erhalten hauptsächlich von ihren Töchtern und Schwiegertöchtern Unterstützung. Pflegebedürftige Männer können neben ihren Schwieger-) Töchtern auch auf die Hilfe ihrer Partnerin zählen. Besonders Männer werden sehr gut von ihren Partnerinnen versorgt (7 von 10), während betroffene Frauen nur von einem Drittel der Partner gepflegt werden.


Das Erwerbsleben von Frauen ist mehr vom Familienstand beeinflusst als das von Männern

Immer mehr Frauen drängen in den Erwerb. Waren es im Jahr 1951 nur 6%, so stieg der Anteil der Frauen 2000 auf 41%. Der Großteil davon ist unselbstständig erwerbstätig. Vor 50 Jahren waren noch gut ein Drittel der Frauen im landwirtschaftlichen Bereich selbstständig tätig, bis 2000 verringerte sich der Anteil auf 5%. Mitverantwortlich für diesen Anstieg an unselbstständiger Tätigkeit unter Frauen ist die Ausweitung der Teilzeitarbeit. Im Jahr 2000 arbeiteten doppelt so viele Frauen Teilzeit als 1975.

Die Erhöhung der "weiblichen" Erwerbsquote ist vor allem dem Zuwachs an Frauen im mittleren Alter (25 bis 50 Jahre) zuzuschreiben. Jüngere Frauen sind heute auf Grund der längeren Ausbildungszeit weniger am Erwerbsleben beteiligt als früher. Für Mütter gilt zwar das Gegenteil, Kinder sind aber dennoch ein häufiger Grund, nicht arbeiten zu gehen. Eine Ausnahme bilden Alleinerzieherinnen, die aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sind, einem Erwerb nachzugehen.

Bei den Männern ist die Erwerbsbeteiligung generell gesunken. Am stärksten betraf dies die Gruppe der bis 29-Jährigen. Ab 30 bis Mitte 50 nahmen wieder mehr Männer am Arbeitsleben teil, ab 55 Jahren war die Beteiligung wieder rückläufig. Auch unter den erwerbstätigen Frauen verringerte sich in der letzteren Altersgruppe die Anzahl.

Die Erwerbsquote wird auch von der Bildung beeinflusst. Je höher das Ausbildungsniveau ist, desto mehr Männer und Frauen beteiligen sich am Erwerb. Besonders bei den Frauen wirkt sich das steigende Bildungsniveau positiv auf die Erwerbsbeteiligung aus - und das in nahezu allen Bildungsstufen. Der Verbleib im Erwerbsleben hängt auch von der Bildungsstufe ab. Der Anteil der 60- bis 64-jährigen AkademikerInnen ist viermal so hoch als bei den PflichtschulabgängerInnen.

Im Unterschied zu den Männern hat der Familienstand bei Frauen mehr Einfluss auf ihr Erwerbsleben. Ledige und geschiedene Frauen arbeiten häufiger als Ehefrauen, vor allem, wenn diese Kinder haben. Bei Männern fällt in puncto Erwerb kaum ins Gewicht, ob sie Familie haben oder nicht. Sind sie aber verheiratet, so gehen sie in fast allen Altersgruppen vermehrt einer Arbeit nach als unverheiratete Männer.

Frauen sind mit 8 von 10 Erwerbstätigen besonders im Dienstleistungsbereich stark vertreten. Bei den Männern geht nur jeder Zweite einer Tätigkeit in diesem Bereich nach. Der typische "Männersektor" ist der Produktionssektor. Im Jahr 2000 waren 43% der erwerbstätigen Männer in diesem Bereich beschäftigt, aber nur 14% der Frauen. Einen hohen Zuwachs an Frauen hat es bei den Angestellten und BeamtInnen gegeben. Bereits mehr als jede/r zweite unselbstständig Erwerbstätige ist eine Frau. Bei den ArbeiterInnen sind vorwiegend Männer vertreten. Jeder zweite einem unselbstständigen Erwerb nachgehende Mann fällt in diesen Bereich, aber nur drei von zehn Frauen sind Arbeiterinnen.

Abgesehen vom "privaten Haushalt" sind Frauen in erster Linie im Gesundheits- und Sozialwesen tätig, gefolgt vom Unterrichtswesen und vom Beherbergungs- und Gaststättenwesen. Ein Fünftel aller Frauen ist im Handel vertreten, dem wichtigsten Arbeitgeber für Frauen. Als typische Männerbranche kann die Sachgütererzeugung mit den Unterbereichen Bauwesen, Handel sowie Verkehr- und Nachrichtenübermittlung bezeichnet werden. Bei den Selbstständigen ist der Anteil der Männer noch immer beinahe doppelt so hoch wie bei den Frauen, die in den letzten 50 Jahren nur geringfügig von 25 auf 29% zugelegt haben (Land- und Forstwirtschaft sind hier ausgenommen).

Mit dem Bildungsniveau der Frauen ist auch das Qualifikationsniveau im Berufsleben gestiegen. Männer haben aber dennoch eine höhere berufliche Qualifikation bei gleicher Ausbildung als Frauen. Sogar unter den AkademikerInnen nehmen fast doppelt so viele Männer als Frauen einen Führungsposten ein. Bei den Angestellten (mit einem Frauenanteil von 56%) ist gut sichtbar, wie die Anzahl der Frauen mit zunehmender Qualifikationshöhe abnimmt. 7 von 10 Angestellten mit niedrigen Tätigkeiten sind weiblich, während nur ein Viertel der Frauen hochqualifizierte und führende Tätigkeiten ausführt.

Frauen tendieren zu "nur" einem Job, während Männer oft auch weiteren Beschäftigungen nachgehen. Vom Weiterbildungsangebot machen Frauen wiederum mehr Gebrauch als ihre männlichen Kollegen. Familiäre Gründe stehen meist hinter der Nichterwerbstätigkeit oder frühzeitigen Beendigung des Arbeitsverhältnisses von Frauen. Bei der Arbeitslosigkeit liegt die Frauenquote über jener der Männer. 40% der arbeitslosen Frauen suchen eine Teilzeitarbeit.

Zum Schluss noch eine Gemeinsamkeit von Männern und Frauen: Die Arbeit unter Zeitdruck wird bei beiden Geschlechtern als berufliche Belastung Nummer Eins angeführt.


Literatur

BMSG, BMBWK (Hrsg.): Geschlechtsspezifische Disparitäten. Wien 2002.


Weitere Informationen

Bundesministerium für Gesundheit und Frauen
Radetzkystraße 2
A-1031 Wien
Tel.: 01/711 00-0
Website: http://www.frauen.bmsg.gv.at/cms/site/themen.htm?channel=CH0101


Quelle

Dieser Artikel erschien unter dem Titel "Familienmanagerin sowieso" in beziehungsweise, Heft 19/02 (vom 19.09.2002), S. 89-90, und Heft 20/02 (vom 03.10.2002), S. 96-97. Mit freundlicher Genehmigung durch:

Österreichisches Institut für Familienforschung
Gonzagagasse 19/8
A - 1010 Wien
Website: http://www.oif.ac.at


Letzte Änderung: 07.02.2008 13:38:17Zum Seitenanfang