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![]() Wie die menschliche Entwicklung verläuft auch die Familienentwicklung in Phasen, die durch unterschiedliche Funktionen und Aufgaben sowie die Auseinandersetzung mit unvermeidbaren Schwierigkeiten und bestimmten Problemen geprägt sind. Idealtypisch lassen sich die Phasen (1) der Partnersuche und Heirat, (2) der ersten Ehejahre, (3) der Familie mit Kleinkindern, (4) der Familie mit Schulkindern, (5) der Familie mit Jugendlichen im Prozess der Ablösung, (6) der Familie ohne abhängige Kinder und (7) der Familie im Alter unterscheiden. Offensichtlich ist, dass nicht alle Familien diesen Zyklus durchlaufen - Ehepaare ohne Kinder, Alleinerziehende, Scheidungsfamilien, Stieffamilien usw. erleben eine andere Abfolge von Phasen. Im Folgenden soll die Beschreibung des idealtypischen Familienzyklus im Mittelpunkt stehen. Der Wechsel von einer Phase des Familienzyklus in die Nächste wird durch physische, psychische und Verhaltensänderungen eines oder mehrerer Familienmitglieder, die Entstehung oder Auflösung von Subsystemen und außerfamiliale Einflüsse wie Einschulung oder Pensionierung bedingt. Vielfach werden diese Übergänge als Krisen erlebt, da das Familiensystem aus dem Gleichgewicht gerät und große Veränderungen notwendig werden. So müssen neue Rollen und Aufgaben übernommen und alte modifiziert, andere Funktionen erfüllt und erstmalig auftretende Bedürfnisse befriedigt werden. Auch sind Beziehungsdefinitionen, Interaktionsmuster, Regeln, Familienstrukturen, Arbeitsteilung, Zeitverwendungsmuster und Freizeitverhalten zu ändern. Zu pathologischen Entwicklungen kann es kommen, wenn Familienmitglieder die Übergänge von einer Phase in die Nächste nicht meistern oder an phasenspezifischen Aufgaben scheitern. Im Familienzyklus wechseln Phasen der Entlastung und der Belastung einander ab. Dabei ist innerhalb des Systems der Generationen ein gewisser Ausgleich möglich. Befinden sich zum Beispiel junge Erwachsene nach der Geburt von Kindern in einer Phase besonders hoher Belastung, können sie zumeist Güter und Dienstleistungen von ihren Eltern abrufen, die sich nun in einer Phase der Unterauslastung befinden: So haben Letztere in der Regel keine Kinder mehr zu versorgen, suchen (insbesondere nichterwerbstätige Frauen) nach neuen Aufgaben, haben die Zeit des höchsten Erwerbseinkommens erreicht. Dementsprechend übernehmen sie oft die Betreuung ihrer Enkel (ermöglichen auf diese Weise vielfach erst die Berufstätigkeit der Mütter), helfen finanziell bei Engpässen aus oder kaufen Kinderkleidung und Spielzeug. In vielen Fällen müssen sie nun aber auch ihre eigenen Eltern (vierte Generation) unterstützen, die jetzt ebenfalls eine Phase hoher Belastung erreicht haben, in der sie bestimmte Verrichtungen nicht mehr selbst erledigen können oder pflegebedürftig werden. In den folgenden drei Beiträgen sollen nun die sieben Phasen des Familienzyklus detailliert beschrieben werden. Autor
Dr. Martin R. Textor | ||
Letzte Änderung: 29.12.2006 14:50:18 |