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Schüler, die eine Klasse wiederholen müssen, kosten den Steuerzahler laut einer Bertelsmann-Studie von 2009 jährlich knapp eine Milliarde Euro. Besser werden die meisten Schüler durch die Ehrenrunde allerdings nicht. Statt das Geld in unnötige Klassenwiederholungen zu stecken, sollten Schüler lieber individuell gefördert werden, forderte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. Wie der Essener Bildungsforscher Klaus Klemm im Auftrag der Stiftung errechnet hat, geben die Bundesländer jährlich 931 Millionen Euro für schulische Ehrenrunden aus. Die Berechnungen umfassen die zusätzlichen Personalausgaben in Schulen und Schulverwaltung, den laufenden Sachaufwand sowie Investitionsausgaben. Kein nachhaltiger Effekt bei Leistung der SchülerEinen nachhaltigen Effekt hat das Sitzenbleiben dabei nicht: Die empirische Forschung sehe höchstens im Wiederholerjahr eine Verbesserung der schulischen Leistung. Bereits im nächsten Schuljahr, in dem die Anforderungen neu und höher seien, würden die Leistungen wieder sinken. "Jeder Schüler lernt anders, dieser Tatsache müssen wir stärker in unseren Schulen Rechnung tragen und Konzepte zur individuellen Förderung entwickeln", sagte Dräger. Klassenwiederholungen sollten daher eine Ausnahme sein, beispielsweise für den Fall langwieriger Erkrankungen."Wenn ich als Lehrer weiß, dass ich unliebsame Schüler nicht durch das Sitzenbleiben loswerde, dann muss ich mich ganz anders um diese Menschen bemühen", sagte Jens Großpietsch, Schulleiter der Heinrich von Stephan Schule in Berlin. "Es wird das Denken der Lehrerinnen und Lehrer ein Stück weit verändern." Sitzenbleiben ist beliebte pädagogische MaßnahmeNoch ist das Sitzenbleiben in Deutschland allerdings eine beliebte pädagogische Maßnahme. Im Schuljahr 2007/08 mussten eine Viertelmillion der Schüler allgemeinbildender Schulen eine Ehrenrunde drehen. Früheren Pisa-Ergebnissen zufolge sind 23 Prozent aller 15-Jährigen im Verlauf ihrer Schulzeit mindestens einmal sitzengenlieben - so viel wie in keinem anderen Land.Zwischen den Bundesländern gibt es bei der Wiederholerquote allerdings große Unterschiede. Während der Anteil der Sitzenbleiber in Baden-Württemberg im Untersuchungsjahr nur bei 1,7 Prozent lag, waren in Bayern 3,6 Prozent aller Schüler betroffen. Nach Angaben des bayerischen Kultusministerium beinhaltet die Zahl allerdings nicht nur die Pflichtwiederholer, sondern auch Schüler, die ein Schuljahr feiwillig erneut antreten. An Realschulen bleiben die meisten Schüler sitzenInsgesamt machen Realschulen am häufigsten Gebrauch von der Ehrenrunde. Hier lag die Quote 2007/08 bei 5 Prozent, in den Grundschulen dagegen nur bei 1,3 Prozent. Sitzenbleiben ist auch in den Köpfen vieler Eltern und Lehrer nach wie vor ein fester Bestandteil des deutschen Schulsystems: Nach einer Forsa-Umfrage aus 2006 schätzen 66 Prozent der Deutschen das Sitzenbleiben als sinnvoll ein und wollen es als pädagogische Maßnahme beibehalten.Der deutsche Lehrerverband lehnt eine Abschaffung des Sitzenbleibens entschieden ab. "Für Schüler, die am Ende des Schuljahres in mehreren Kernfächern mangelhafte Leistungen haben, wäre ein Aufstieg in die nächste Klasse eine krasse Fehlinvestition für die ganze Gesellschaft", so Verbandspräsident Josef Kraus."Gäbe es gar kein Durchfallen mehr, würde sich ein noch größerer Anteil von Schülern überhaupt nicht mehr anstrengen wollen, und das Leistungsniveau vieler Klassen würde sinken." Quelle: 3sat.online: nano (www.3sat.de/nano) | ||
Letzte Änderung: 25.08.2010 09:22:17 |