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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Einkaufen mit Kindern - ohne Betteln und Quengeln


Mit Kindern einkaufen gehen ist ohne Zweifel eine anstrengende Erziehungsarbeit. Doch quengelnde Kinder an der Supermarktkasse und entnervte Eltern, die an ihrer Erziehungskompetenz zweifeln, das muss nicht sein. Mehr Gelassenheit, ein Einkaufszettel und einige Regeln helfen dabei. Es lohnt sich, Kinder mit zum Einkaufen zu nehmen, denn dort bieten sich ideale Gelegenheiten, um Kompetenzen für den Alltag zu erwerben!

Durchsetzungsstrategien von Kindern
Viele Eltern kennen folgende Situation: Während sie an der Kasse eines Supermarktes warten, möchte das Kind von den verführerisch positionierten Süßigkeiten haben. Lehnen Eltern das Anliegen ab, quengeln und schreien sie oder werfen sich gar auf den Boden.

Die Durchsetzungsstrategien von Kindern beschreibt der US-Experte für Kinder-Marketing James U. McNeal in einer Nerv-Skala:
  • das Betteln („Bitte, bitte Mami!“)
  • das beharrliche Fordern („ich frag nur noch ein Mal!“)
  • das Erpressen („Dann frag ich eben Papi!“)
  • der hysterische Anfall (mit Brüllen, Treten und sich vor Publikum auf den Boden werfen)
  • das Schmeicheln („Du bist die liebste Mutti der Welt!“)
  • das Drohen („Ich laufe weg und komme nie wieder!“)
  • das Flehen („Ich bin ganz traurig, wenn ich das nicht bekomme!“)
Erfolgreiche Strategien werden wiederholt. Konsequent bleiben kann für Eltern ein paar Mal Stress verursachen, lohnt sich aber auf Dauer gesehen. Hat ein Kind z.B. erfahren, dass es an der Kasse grundsätzlich keine Süßigkeiten gibt, dann sind Wartezeiten auch keine Stresszeiten.

Satt, ausgeschlafen und gut geplant geht es besser
Aus Ihrer Erfahrung wissen Sie, wer hungrig einkauft, lässt sich von seinen Gelüsten leiten und kauft deutlich mehr als gebraucht wird. Hungrigen Kindern geht das nicht anders! Planen Sie den Einkauf mit Ihrem Kind am besten nach den Essenszeiten und bei Kleinkindern auch nach den Schlafenszeiten. Nur ein sattes, ausgeruhtes Kind kann die vielen Sinneseindrücke gut verarbeiten. Ein Einkaufszettel und die bewusste Wahl des Einkaufsortes - breite Gänge, kurze Wege, übersichtliche Anordnung der Waren, wenig „Lockvogelangebote“ - helfen Ihnen, den Einkauf möglichst angenehm zu gestalten.

Für Kinder, die unterwegs doch Hunger haben, können Sie zu Hause eine Kleinigkeit einpacken, ein Apfel oder ein Knäckebrot. Sonst lassen Sie sich vermutlich zu Keksen oder Süßigkeiten überreden und beim nächsten Einkauf wird es ihr Kind erneut versuchen. Ähnliches passiert, wenn Sie Ihr Kind beim Einkaufen belohnen. Muss Einkaufen überhaupt belohnt werden?

Größere Kinder helfen gerne
Größere Kinder lernen beim Einkaufen unglaublich viel, ohne dass sie sich dessen bewusst sind: das geplante Vorgehen, die Vielfalt der Lebensmittel, die Bedeutung des Geldes und vieles mehr. Ihre Erklärungen dazu erweitern das Wissen und den Wortschatz Ihres Kindes. Kleinere Kinder können einfache Lebensmittel aus den Regalen holen, auf das Band legen, in die (eigene) Tasche packen. Ihr Kind ist beschäftigt, zufrieden und stolz auf seine Selbständigkeit. Schulkinder sind ideale Einkaufsassistenten. Sie können beauftragt werden, Preisvergleiche anzustellen. So können sie zum Beispiel den Sinn von Prozentrechnen erfahren. Auch für Qualitätsunterschiede können sie sensibilisiert werden: „In welchem Kakaogetränkepulver ist der höchste Kakaoanteil enthalten? oder Wie hoch ist der Zuckeranteil in den Cornflakes?“ oder „Gibt es den Reis auch in Bio-Qualität?“. Bei der Bearbeitung solcher Aufgaben lernen sie Zutatenlisten zu lesen und stolpern über manche Ungereimtheit. So machen sie erste Schritte zum mündigen Verbraucher.

Tipp: Kinder sehen beim Einkaufen oft Neues und möchten es dann auch haben. Unterstützen Sie diese Neugierde; nicht nur die Kinder lernen dazu, wenn Sie ein oder zwei neue Produkte ausprobieren. Legen Sie aber für sich selbst fest, welchen Wünschen Sie nachgeben möchten und welchen nicht. Sie bestimmen, was in den Einkaufswagen kommen soll – nicht Ihr Kind.

Beim Einkaufen können Eltern den Kindern vorleben, dass wir nicht immer alles haben können. Das eigene Einkaufsverhalten überzeugt Kinder auch ohne ausführliche Erklärungen. Eines Tages werden unsere Kinder gefordert sein, selbständig zu entscheiden, und dafür wollen wir sie fit machen.

Quellen:
  • Sigrid Fellmeth: Mit ganz kleinen Kindern einkaufen, unveröffentlichtes Manuskript 2008
  • Petra Thorbrietz: Kursbuch Gesunde Kinderernährung 2002
  • Renate Storch: Alles, was man im Leben braucht, kann man am Esstisch lernen! Fundus 2/2007
Autorin: Beate Laumeyer, Diplom-Ökotrophologin und BeKi-Fachfrau

Quelle: Infodienst Landwirtschaft – Ernährung – Ländlicher Raum
(http://www.landwirtschaft-bw.info/)


Letzte Änderung: 06.05.2010 10:23:00Zum Seitenanfang