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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Endlich Schulkind


Was Kinder in der Kita für den Schulanfang lernen, beschäftigt Eltern nicht erst im Frühjahr des Einschulungsjahres, sondern bereits ein ganzes Jahr vorher. Die Redakteurin von „Die Kindergartenzeitschrift“ und zweifache Mutter Almut Aden im Gespräch.

Was sollte der Kindergarten vermitteln, bevor die Kinder in die Schule kommen?
Im Wesentlichen gilt, glaube ich, nach wie vor, dass die Kinder in ihrem natürlichen Lernbedürfnis unterstützt werden: indem man ihnen eine anregende Umgebung anbietet, mit vielseitig verwendbaren Materialien in ästhetischen Farben und mit hoher Qualität – zum Forschen und Entdecken, zum kreativen Gestalten, zum Rollenspiel. Indem man ihnen auch eine anregende Sprachumgebung anbietet, in der ständig in den Kita-Alltag integrierte Sprachförderung stattfindet. Indem die Kinder genug Platz haben, um zu toben und zu tanzen, aber auch, um sich zurückzuziehen. Dabei sollten die Kinder ermutigt und unterstützt, aber nicht gesteuert werden. Ganz wichtig ist natürlich auch die Förderung der Alltagskompetenzen und vor allem das soziale Lernen – sich in eine Gruppe einzuordnen, aber auch, sich in ihr zu behaupten, Rücksicht zu nehmen, zuhören zu können, teilen zu können, bei Gesellschaftsspielen verlieren zu können, Konflikte nicht mit körperlicher Gewalt auszutragen: All dies sind wichtige Fähigkeiten für den Schuleintritt – sicher wichtiger, als schon bis 100 zählen zu können oder das ganze Alphabet zu kennen.

Die Einschulung ist ein zumindest im letzten Kindergartenjahr bestimmendes Thema. Wie können Erzieherinnen und Erzieher die Kinder und auch die Eltern darauf vorbereiten?
Sinnvoll ist natürlich ein enger Kontakt zur benachbarten Grundschule. Die Kinder können die Schule besuchen, um schon mal die Räume kennen zu lernen und eine Probestunde zu erleben. Vielleicht können sie auch schon vor der Einschulung ihren Paten aus den höheren Klassen begegnen, sodass sie schon früh eine Vorstellung davon haben, an wen sie sich als Schul-Neulinge wenden können, wenn sie Unterstützung brauchen. Wichtiger als isolierte Trainingsprogramme zur direkten Vorbereitung auf die Schule ist sicher nach wie vor eine ganzheitliche Förderung, die nicht gezielt schulisches Lernen anbahnt, sondern Kinder in ihrer gesamten Persönlichkeitsentwicklung für die Schule stark macht.

Was antworten Sie Eltern, die meinen, ihr Kind müsste schon lesen, schreiben und rechnen können, wenn es in die Schule kommt, weil es nur so Chancen hätte, im harten Schulalltag zu bestehen?
Die Lese-, Schreib- und Rechenlehrgänge im ersten Schuljahr werden in jedem Fall systematisch erarbeitet, auch wenn einzelne Kinder schon vieles können. In einem guten Erstunterricht sollten die mitgebrachten Lernstände der Kinder ermittelt und in einem differenzierenden Unterricht berücksichtigt werden. Es ist keinesfalls so, dass Kinder schon lesen, schreiben und rechnen können sollten, wenn sie in die Schule kommen – immer noch wird allen Kindern das Lesen, Schreiben und Rechnen in der Schule beigebracht. Trotzdem sollte man Kinder auch nicht in ihrem Wissensdrang bremsen – also: die vom Kind gestellten Fragen beantworten, seine Interessen unterstützen, es aber nicht ungefragt drängen und schon zu Hause „beschulen“.

Können Sie sich noch erinnern, wie Sie sich als Kind beziehungsweise als Elternteil gefühlt haben, als die letzten Kindergartentage begonnen hatten?
Der Abschied vom Kindergarten war für meine Kinder und damit auch für mich schon wehmütig. Für meine Kinder ging ein wichtiger Lebensabschnitt, der einen großen Teil ihres bisherigen bewussten Lebens ausmachte, zu Ende. Sie mussten sich trennen von ihnen nahe stehenden Menschen – den Erzieherinnen und den anderen Kindern –, Abschied nehmen von einer Umgebung, in der sie viel Zeit verbracht hatten. Gleichzeitig freuten sie sich natürlich auch auf die Schule, waren stolz darauf, nun kein Kindergartenkind mehr zu sein. Und auch für mich gingen mehrere Jahre enger und persönlicher Zusammenarbeit mit dem Kindergarten, eine Zeit der gemeinsamen Erziehung meiner Kinder, zu Ende. Wir haben auch nach dem Abschied den Kindergarten noch das ein oder andere Mal besucht, ihm Karten aus dem Urlaub geschrieben und über ihn gesprochen. Denn Erinnerungen an die Zeit dort haben die Kinder noch lange beschäftigt – und sie sollten auch erleben, dass Beziehungen zu anderen Menschen nicht durch veränderte Lebensumstände unbedingt abrupt enden müssen. An meine eigenen letzten Kindergartentage erinnere ich mich nicht – da ist wohl doch die Einschulung ein prägenderer Einschnitt.

Quelle: www.klett-themendienst.de

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Letzte Änderung: 09.12.2009 15:05:30Zum Seitenanfang