Körperpflege bei Babys

Barmer und Mehr Zeit für Kinder e.V.

Baden

Bis vor wenigen Jahren wurde empfohlen, Babys täglich ausgiebig zu baden. Heute wissen wir aber, daß die Haut des Babys von einem “Mantel” umgeben ist, der neben Schweiß, Fett und vielen anderen Substanzen auch Keime enthält, mit denen das Baby von Anfang an vertraut ist. Krankmachende Erreger können die Barriere dieses Schutzmantels normalerweise nicht passieren.In der modernen Säuglingspflege wird deshalb versucht, die natürlichen Schutzfunktionen des kleinen Körpers zu erhalten. Unmittelbar nach der Geburt wird das Kind nur ganz kurz gebadet, um ihm die sogenannte Käseschmiere nicht ganz abzuwaschen. Die Käseschmiere ist eine Schicht aus Talg, die die Haut im Fruchtwasser schützt.Auch danach wird heute grundsätzlich empfohlen, die Kinder nur ein- bis zweimal pro Woche kurz zu baden. Natürlich gilt hier wie immer die Regel der Vernunft: Wenn das Baby stark geschwitzt oder die Windel einmal nicht “dicht” gehalten hat, dann ist ein zusätzliches Bad selbstverständlich eine Wohltat.

Parfüm für Babyhaut?

Das Angebot an duftenden Badezusätzen, parfümierten Lotionen und Feuchttüchern nimmt ganze Wände in den Drogeriemärkten ein. Erst wird der Haut des Babys im parfümierten Schaumbad die natürliche Schutzhülle abgewaschen, um anschließend wenigstens einen Teil davon mit pflegenden Cremes und Lotionen wieder zu ersetzen. Die meisten der angebotenen Produkte enthalten Konservierungs- und Duftstoffe. Angesichts der dramatischen Zunahme von Allergien lohnt es sich, einen Moment darüber nachzudenken, wieviel Chemie man einem Baby wirklich zumuten darf.

Babys riechen von Natur aus gut. Sie müssen sicher nicht in künstliche Duftwolken gehüllt werden. Wenn Sie auf einen Zusatz zum Badewasser nicht verzichten möchten, dann wählen Sie ein sehr mildes Badeöl, das möglichst frei von Konservierungsstoffen ist. Zum Rückfetten genügt aber auch ein kleiner Schuß Pflanzenöl aus der Küche, zum Beispiel Sonnenblumenöl.

Spaß beim Baden

Vor dem Baden legen Sie sich alles zurecht, was Sie benötigen: milde Seife, Waschlappen, ein oder zwei Spielsachen fürs Wasser, Handtücher, frische Wäsche, eine Windel. Entfernen Sie eventuelle Stuhlreste, bevor der Badespaß beginnt.

Die Temperatur des Badewassers überprüfen Sie am besten mit einem Badethermometer. Sie sollte bei etwa 36°C liegen. Machen Sie aber immer auch einen kurzen Temperaturtest mit Ihrem Ellenbogen. Hier ist die Haut besonders empfindlich. Bei etwas älteren Babys darf das Wasser für ein kurzes “Erfrischungsbad” im Sommer auch ruhig weniger warm sein.

Sie sollten Ihr Kind in einer ruhigen, entspannten Atmosphäre baden. In den ersten Lebensmonaten wird das Baby die sanfte Wärme genießen. Mit ein paar Monaten entdeckt es die Lust am Planschen, Spritzen und Toben. Lassen Sie es gewähren. Die Fliesen im Bad sind hinterher schnell wieder trockengerieben – und daß Ihr Baby freudig mit dem neuen Element Wasser umgeht, bereichert seine Erfahrungswelt.

Vorsicht: Lassen Sie Ihr Kind auch dann nicht alleine in der Badewanne, wenn es schon sicher sitzen kann. Bis etwa zum Schulalter können Kinder in fingertiefem Wasser ertrinken, wenn Sie mit dem Gesicht nach unten hineinfallen. Vor Schreck befreien sie sich nicht aus ihrer lebensbedrohlichen Situation. Darum gilt: Kleine Kinder am oder im Wasser nie allein lassen!

Haare waschen

Die Haare Ihres Kindes waschen Sie am besten gegen Ende der Badezeit, damit es sich nicht erkältet. Bei Säuglingen genügt es, klares Wasser über die Haare laufen zu lassen. Wenn Sie ein Shampoo benutzen möchten, sollten Sie sich für ein spezielles Babyshampoo entscheiden. Die Babyshampoos haben den Vorteil, daß sie ganz besonders sanfte Waschsubstanzen enthalten. Ihr Schaum brennt nicht in den Augen.

Morgens und abends: Katzenwäsche

Morgens und abends sowie nach Bedarf waschen Sie Ihr Baby mit einem frischen Waschlappen und lauwarmem Wasser. Beginnen Sie dabei beim Gesicht, waschen Sie dann vorsichtig Arme und Hände, anschließend die Beine und Füße. Für den Windelbereich benutzen Sie einen eigenen Waschlappen, den Sie unbedingt jeden Tag wechseln sollten. Im feuchten Waschlappen wachsen Keime und Bakterien schnell.

Pflegen ist Liebe

Für ihre gesunde Entwicklung brauchen Kinder viel Liebe und Körperkontakt. Babys lieben deshalb das Waschen, Abtrocknen und Cremen. In einem warmen Zimmer können Sie die Zeit auf dem Wickeltisch zum Schmusen und Spielen mit dem Baby nutzen. Wenn Sie das Waschen mit lustigen Reimen und Liedern begleiten, wird das Baby begeistert sein!

Aus dem Waschlappen wird ein Wassermännlein, das sich von den Händchen über die Arme bis zur Stirn bewegt, dort anklopft und dann kurz an die Nase stupst:

Kommt ein Wassermännlein

mit dem Wasserkännlein,

geht den Berg hoch, klopft an –

“Guten Tag, Herr Nasemann!”

Füße und Beine werden mit einem anderen Spruch fast von allein und mit viel Spaß und Strampelei sauber:

Guten Tag, ihr lieben Beinchen!

Wie heißt ihr denn?

Ich bin der Hampel!

Ich bin der Strampel!

Ich bin das Füßchen Tunichtgut!

Ich bin das Füßchen Übermut.

Tunichtgut und Übermut

gehen auf die Reise.

Patschen durch die Sümpfe,

naß sind Schuh und Strümpfe.

Schaut die Mama um die Eck´,

laufen alle beide weg!

Und noch mehr Pflege

Augen: Manchmal sind die Augen Ihres Kindes nach dem Schlaf stark verklebt. Tauchen Sie ein Mulläppchen oder ein Wattepad in sauberes, lauwarmes Wasser und reiben Sie ganz vorsichtig über das geschlossene Auge. Führen Sie die Bewegung immer von außen zur Nasenwurzel hin aus und benutzen Sie für jedes Auge einen frischen Wattebausch.

Nase und Ohren: Zuerst eine Bitte: Gehen Sie nicht mit Ohrenstäbchen bewaffnet auf Nase oder Ohren Ihres Kindes los! Hals-Nasen-Ohrenärzte warnen immer wieder davor, daß mit den Ohrenstäbchen mehr Schaden als Nutzen angerichtet wird. Die Schmalz- und Schleimpfropfen schieben Sie damit nur tiefer in die Gänge hinein. Am Ende ist ärztliche Kunst nötig, um sie herauszulösen.

Die Ohren jedes Menschen sondern mehr oder weniger Ohrenschmalz ab. Es wird als gelbliche Krümel in der Ohrmuschel sichtbar. Diese Krümel können Sie vorsichtig mit dem angefeuchteten Zipfel eines Handtuchs oder eines zusammengerollten Papiertaschentuches entfernen. Den Gehörgang selbst müssen Sie nicht reinigen. Auch die Nase Ihres Kindes sollten Sie nur mit einem angefeuchteten Handtuch, dem Waschlappen oder einem leicht angefeuchteten Papiertaschentuch säubern.

Wichtig ist dagegen der gelegentliche Blick hinter die Ohrmuschel. Die Hautfalten hier neigen bei Babys nämlich ganz besonders dazu, wund und schorfig zu werden. Etwas Creme reicht meistens aus, damit die Haut schnell wieder abheilt.

Finger- und Zehennägel: Die Finger- und Zehennägel Ihres Babys müssen Sie in den ersten Wochen nicht schneiden. Sie sind zwar sehr scharf, aber biegsam und brechen von allein genau an der richtigen Stelle ab. Nur wenn sich Ihr Kind stark verkratzt, können Sie vorsichtig mit einer abgerundeten Schere nachhelfen. Sie können die weichen Nägel auch einfach mit Ihren Fingern vorsichtig” wegpulen “. Sorgen Sie dafür, daß das Baby nicht mit dem Ärmchen oder Beinchen strampeln kann, an dem Sie gerade” arbeiten “.

Schneiden Sie Fußnägel gerade und Fingernägel leicht rund. Wichtig ist auf jeden Fall, daß die Schnittstellen glatt sind, weil sich das Baby sonst verkratzen kann. Wenn Ihr Kind gar nicht stillhält, schneiden Sie die Nägel, wenn es eingeschlafen ist.

Zähne: Mit der Zahnpflege beginnen Sie, wenn die ersten Zähne durchbrechen. Die Milchzähne sind Platzhalter für die bleibenden Zähne. Deswegen müssen Sie sie gründlich pflegen und gesund erhalten. Anfangs genügt es, wenn Sie die Zähne einmal am Tag mit einem Wattestäbchen reinigen. Babykost enthält leider oft viel Zucker, der den Zahnschmelz schnell zerstört. Achten Sie auch aus diesem Grund auf die Zutaten bei der Babykost. Besonders schädlich ist für Ihr Kind, wenn es dauernd am Fläschchen nuckelt. Trinken sollte nicht zur Beruhigung oder als Einschlafhilfe dienen. Wenn Ihr Kind zur Beruhigung nuckeln möchte, dann bieten Sie ihm einen kiefergerecht geformten Schnuller an.

Wenn die ersten Zähne schon weit aus dem Zahnfleisch herausragen, sollten Sie sie vorsichtig mit einer weichen Kinderzahnbürste reinigen. Zahncreme setzen Sie erst dann ein, wenn Ihr Baby sie anschließend auch ausspucken kann. Damit das Zähneputzen nicht zur täglichen Qual für Kind und Eltern wird, sollten Sie es spielerisch angehen. Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich zusehen, wenn Sie sich selbst die Zähne putzen. Der Nachahmungstrieb kann dann stärker wirken als alle guten Worte und Überredungsversuche.

Über die Einnahme von Fluortabletten unterhalten Sie sich am besten mit Ihrem Kinderarzt.

Ein Wort zur Hygiene

In den ersten Lebensmonaten ist Ihr Baby zwar nicht völlig schutzlos dem Angriff böser Keime und Bakterien ausgeliefert, wie früher vermutet wurde, es ist allerdings richtig, daß der kleine Organismus noch nicht völlig ausgereift ist und besonderen Schutz benötigt. Sauger, Fläschchen und Schnuller sollten Sie deshalb sorgfältig auskochen oder sterilisieren. Erwachsene sollten das Baby nur mit sauberen Händen anfassen. Es muß auch nicht unbedingt von der Oma gestreichelt und geküßt werden, wenn diese gerade stark erkältet ist.

Im Krabbelalter können Sie nicht mehr vermeiden, daß das Baby seine schmutzigen Finger mal in den Mund steckt. Auch Steine, Sandschaufeln, Erdklumpen und Tannenzapfen werden von entdeckungslustigen Krabbelkindern gern auf ihren Geschmack hin überprüft. Sie werden beim besten Willen nicht alles verhindern können. Denken Sie aber bitte daran, daß Dreck nicht wirklich” gesund “für Ihr Kind ist! Den Sand eines öffentlichen Spielplatzes zum Beispiel können alle Katzen der Umgebung als Toilette benutzen. Wählen Sie für die ersten Erfahrungen Ihres Kindes mit dem Sand vielleicht einen privaten Sandkasten aus, der nachts abgedeckt wird. Säubern Sie dem Kind die Hände, bevor es einen Keks bekommt.

Frische Luft

Von Anfang an brauchen Kinder viel frische Luft. Bereits nach zwei Wochen können Sie mit Ihrem Baby Ausfahrten machen. Beginnen Sie mit einer Stunde täglich und steigern Sie die Zeit im Freien allmählich auf zwei bis drei Stunden pro Tag. Wählen Sie für Ihre Spaziergänge mit dem Kinderwagen, wenn möglich, eine Strecke im Grünen, also außerhalb größerer Städte.

Schützen müssen Sie Ihr Baby allerdings vor Zugluft und vor direkter Sonne. Achten Sie außerdem auf die Temperatur des Kindes. Eltern neigen dazu, Neugeborene und kleine Babys zu warm einzupacken. Fassen Sie Ihr Kind ab und zu an. Wenn sich seine Haut warm und trocken anfühlt, ist alles in Ordnung.

Frische Luft braucht Ihr Kind für seine gesunde Entwicklung übrigens auch im Winter. Täglicher Aufenthalt im Freien ist bei angemessener Bekleidung die beste Abhärtung gegen Erkältungskrankheiten. Warm verpackt in Schneeanzug und gefüttertem Fußsack schadet Ihrem Kind die frostige Luft nicht. Natürlich müssen Sie sich davon überzeugen, daß das Kind nicht friert, und sollten Sie die Spazierfahrten bei extremer Kälte nicht allzu lang ausdehnen.

“Ich will das aber selber machen!”

Mit der Zeit wandeln sich Ihre pflegerischen Tätigkeiten allmählich. Ihr Kind besteht immer mehr darauf, selbst aktiv zu werden. Das ist für seine Entwicklung auch wichtig, selbst wenn es den Aufenthalt im Badezimmer nicht gerade verkürzt.

Kleine Kinder haben einen starken Nachahmungstrieb. Wenn sich Mama und Papa bei jeder Rückkehr in die Wohnung die Hände waschen, können Sie Ihr Kind leicht in dieses Familienritual integrieren. Sinnvoll ist es auch, daß Sie Ihrem Kind mit einfachen Worten erklären, warum wir die Hände waschen. Weil man mit den Händen alles anfaßt und sie so auch mit Dingen in Berührung kommen, die nicht sauber sind und krank machen können. Weil wir mit den gleichen Händen zu Hause das Essen anfassen und weil kleine Kinder ihre Hände gerne in den Mund stecken.

Das Vorbild sind Sie auch beim Zähneputzen und Waschen. Lassen Sie Ihr Kind bei allen morgendlichen und abendlichen Wasch- und Pflegeritualen zuschauen. Erklären Sie, was Sie gerade tun und warum Sie es machen. Manche Kinder möchten schon mit einem Jahr die Zahnbürste selbst benutzen. Lassen Sie sie gewähren! Aber putzen Sie anschließend selbst noch einmal gründlich nach. Dann sind Sie sicher, daß die Zähne wirklich gepflegt sind.

Quelle

Eltern sein – Die ersten Jahre.
Ideen, Informationen und Gesundheitstipps für die junge Familie.
Hrsg. von Barmer und Mehr Zeit für Kinder e.V., 2. Auflage 2002.

Das Buch ist erhältlich bei Mehr Zeit für Kinder e.V..

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Erstellt und zuletzt geändert am 25. März 2003