Mit Kindern kochen – Ideen, Tipps und gute Laune

Adelheid Fangrath
Fangrath Adelheid
 

Kleinkinder matschen für ihr Leben gerne im Sand und backen Kuchen. Ihren kreativen Forscherdrang würden sie auch in der Küche austoben, wenn die Eltern sie ließen. Leider dürfen viele Kinder nur beim alljährlichen Plätzchenausstechen zu Weihnachten mithelfen. Meistens endet das Backfest mit einer total verschmutzen Küche und erschöpften Eltern. Wenn Kinder jedoch regelmäßig beim Kochen mitmachen dürfen, erlernen sie wertvolle Fähigkeiten und erweitern ihr Wissen. Unsere kleinen Tipps zeigen, wie das gemeinsame Kochen nicht im Chaos endet sondern Kindern und Eltern gleichermaßen viel Spaß bereiten kann.

Gesunde Kochschule

Viele Eltern verzweifeln bei dem Versuch, ihre Kinder für gesundes und vitaminreiches Essen zu begeistern. Das Wort “gesund” im Zusammenhang mit Ernährung erweist sich bei Kindern regelrecht als Appetitzügler. Nur die wenigsten Kinder zeigen sich aufgeweckt und probieren neue Speisen. Oft steckt nicht wirklich geschmackliche Abneigung dahinter sondern einfach nur Desinteresse.

Wenn Kinder zusammen mit ihren Eltern ihre Speisen selber zubereiten, wächst automatisch das Interesse an neuen Gerichten. Kinder sind leicht zu begeistern und neugierig. Niemand kann dem natürlichen Drang widerstehen, beim Kochen zu naschen – sei es nun Teig oder die frisch geputzte Karotte. Der Stolz über die eigenen Fähigkeiten motiviert Kinder, das selber zubereitete Essen zu probieren. Durch Kochen erweitern sie zwangsläufig ihren kulinarischen Horizont und entwickeln ein ganz anderes Verhältnis zu ihrer Nahrung.

Kochen macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch die Entwicklung der Kinder. Schon ab vier Jahren können sie in der Küche mithelfen. Zusammen mit der gesamten Familie Kochen bedeutet geselliges Zusammensein. Sie verbringen gemütliche Stunden mit ihren Eltern, reden über Lebensmittel und erfahren viel über gesunde Ernährung und die Geräte in einer Küche. Beim Kochen werden die motorischen Fähigkeiten verbessert, die Kinder lernen selbstständig zu arbeiten. Sie übernehmen Verantwortung und wachsen an ihren Aufgaben. Wie bei jeder gemeinsamen Aktion mit den Eltern erfahren die Kinder Geborgenheit und können sich vom Alltagsstress entspannen.

Mit Kindern kochen

Kochen ist ein Fest für die Sinne: Sehen, Fühlen, Riechen und natürlich Schmecken. Diese Zeit zum Genießen muss beim Vorbereiten der Speisen eingeplant werden. Wer gestresst ist oder unter Zeitdruck steht, sollte das gemeinsame Kochen lieber auf ruhigere Tage verschieben. Dann lassen sich auch kleine Katastrophen leichter ertragen, die einfach mit dazugehören. Kinder sind quirlig, ihnen fällt leicht etwas herunter. Also bitte nicht gleich schimpfen sondern mit Humor ertragen. Auch hier macht Übung den Meister.

Versuchen Sie das Kochen mit Kindern regelmäßig einzuplanen. Es empfehlen sich ruhige Tage wie die Wochenenden. Bitte bedenken Sie, dass die Küche hinterher nicht ganz sauber aussehen wird. Allerdings müssen die Kinder lernen, dass zum Kochen auch Aufräumen und Abwaschen gehören. Deshalb sollte mit den Kindern eine klare Aufgabenverteilung abgesprochen werden.

Anfangs wird in der Küche bestimmt einiges schief gehen. Trotzdem können Kinder nur durch das Selbermachen lernen. Eltern müssen großzügig darüber hinwegsehen, wenn noch Schale am Ei klebt oder die Kartoffeln nach dem Schälen ziemlich klein geworden sind. Ein kleines Malheur lässt sich leicht beheben. Wenn das Kind viel gelobt wird, entwickelt es sich bald zu einem nützlichen Helfer.

Kinder teilen ihre neuen Fertigkeiten gerne mit Freunden und Verwandten. Es hebt ihr Selbstbewusstsein, wenn sie ein Essen für andere zubereiten. Klappt es ganz gut in der Küche, können sie auch einmal Gäste einladen und bekochen.

“Das mag ich nicht”

Wenn es um das Essen geht, haben Eltern und Kinder oft unterschiedliche Ansichten. Kein Kind wird begeistert den verhassten Blumenkohlauflauf zubereiten. Es gehört zum gemeinsamen Kochen, dass auch die Rezepte zusammen ausgesucht werden. Statt den Geschmack der Kinder zu verteufeln, ist es sinnvoll, einen Kompromiss zu finden. Gesundes und eher ungesundes Essen sollten sich die Waage halten. So kann ein gesunder Gemüseeintopf mit einem leckeren Nachtisch “versüßt” werden. Allerdings darf das Zubereiten der Speisen nicht zu lange dauern, sonst verlieren Kinder schnell die Lust.

Eine gute Möglichkeit, um die eingefahrenen Essgewohnheiten der Kids zu durchbrechen sind Familienrezepte. Hinter ihnen stehen Tradition und oft auch interessante Geschichten. Wenn die Eltern leidenschaftlich für ein Familiengericht schwärmen und dazu nette Jugenderinnerungen auftischen können, werden die Kinder mit Begeisterung das Gericht probieren.

Ein Trick für den Suppenkaspar: Alltagsgerichte können mit witzigen Namen aufgepeppt werden. Statt Kartoffelpuffer mit Apfelmus kochen Sie einfach Holzfällerflöße im Honigmeer. Ein Fleischgericht wird zu einem zünftigen Piratenschmaus. Eine Gemüsesuppe wird zum Hasenallerlei erklärt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Auch das Auge isst mit. Zum Kochen gehört eine schöne Dekoration, zum Beispiel mit Kräutern. Das Garnieren der Speisen sollte aber im Rahmen bleiben.

Gesundes Fast Food

Es gibt eine Vielzahl bunter Kochbücher für Kinder. Wir wollen an dieser Stelle keine Rezepte auflisten, da Sie am besten wissen, was Ihrer Familie schmeckt. Zu den typischen Lieblingsgerichten der Kids gehört Fast Food. Es ist eine tolle Erfahrung für sie, wenn sie diese heißgeliebten Dauerbrenner selber zubereiten dürfen. Hier einige Tipps, wie diese Klassiker gesund aufgewertet werden können:

  • Für Nudelgerichte sollten Vollkornprodukte verwendet werden. Mit frischen Zutaten und leckeren Kräutern lassen sich tolle Soßen zaubern.
  • Hamburger schmecken selbst gemacht viel besser als von den einschlägigen Fast Food Ketten. Das Beste, jeder kann sich seinen Hamburger mit selbst gemachter Soße (Ketchup und Chilisoße mischen und erwärmen), Gewürzgurken, angebratenen Zwiebeln, Gurken- und Tomatenscheiben, Salatblättern… je nach Geschmack zusammenstellen. Übrigens, am besten schmeckt der Hamburger mit einem normalen Brötchen.
  • Pizza wird ebenfalls mit Vollkornteig aufgewertet. Zu dem Belag aus Salami oder Schinken kommen frische Tomaten und Gemüse auf den Teig. Damit es auch Kindern gefällt, einfach die Zutaten als Gesicht anordnen.
  • Statt gekaufter Säfte können leckere Milch-Drinks gemixt werden.
  • Fertige Nachspeisen für Kinder sind viel zu süß und zu fettig. Sie sollten nur selten auf dem Speiseplan stehen. Viel mehr Essspaß verspricht ein selbst gemachter Pudding, Griesbrei oder Obstsalat.

Kleines Einmaleins des Kochens

Vor dem Kochen müssen natürlich zuerst die Hände gewaschen werden.

Begeisterte kleine Hobbyköche haben vielleicht eine Schürze, aber auch ein altes T-Shirt schützt vor Schmutz. Lange Haare werden zu einem Zopf zusammengebunden.

Das gemeinsame Kochen beginnt entspannt mit dem Lesen des Rezeptes, eine tolle Leseübung für Grundschulkinder.

Welche Zutaten werden gebraucht. Entweder gemeinsam zusammenstellen oder dem Kind erklären, wo und warum die Lebensmittel aufbewahrt werden. Nebenbei erfährt Ihr Kind viel über die Lebensmittel und ihre Lagerung.

Auch die Geräte suchen Sie schon vorher zusammen. Welcher Platz eignet sich am besten für das Kind zum Zubereiten der Speisen. Was braucht es alles zum Kartoffel- oder Gemüseschälen? Weiß es auch, wo die Topflappen hängen?

Wichtig ist die Aufgabenverteilung. Kinder lieben die Herausforderung und möchten auch schwierige Aufgaben übernehmen. Es empfiehlt sich eine gute Mischung, denn auch langweilige Arbeiten müssen erledigt werden. Zeigen Sie dem Kind zuerst, wie es das Gemüse putzen und klein schneiden soll. Zunächst wird es nicht reibungslos klappten, vielleicht verliert das Kind auch die Lust daran. Trotzdem sollte es lernen, eine Arbeit wirklich zu Ende zu bringen. Aber natürlich ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn die Eltern etwas mithelfen.

Bitte ganz viel loben.

Vorsicht Küche

Kochen ist nicht ganz ungefährlich. Wenn ihr Kind zum ersten Mal mit einem scharfen Messer hantiert, müssen Sie genau aufpassen. Wichtig ist eine rutschfeste Unterlage beim Schneiden. Die Kinder sollten lernen, immer vom Körper weg zu schneiden.

Kinder nicht alleine mit elektrischen Geräten hantieren lassen. Bevor ein elektrisches Gerät befüllt wird, immer erst den Stecker ziehen. Auch den Mixer immer vom Strom nehmen, bevor die Haken gewechselt werden.

Kinder niemals unbeaufsichtigt in der Küche lassen. Auch sollten sie über die Gefahrenquellen ausführlich informiert werden. Sie müssen wissen, dass auch ausgeschaltete Herdplatten nachheizen und der Bereich um den Backofen ständig Wärme abgibt.

Mit einem rutschfesten Hocker können Kinder problemlos am Herd arbeiten und die leckere Suppe umrühren.

Kindern fehlt häufig die Ausdauer. Da auch die Konzentration nachlässt und Verletzungsgefahr besteht, ist es besser beim Gemüseputzen mitzuhelfen. Gemeinsam geht es viel schneller und macht auch mehr Spaß.

Wenn doch ein Unfall passiert: Immer Ruhe bewahren. Brandwunden müssen keimfrei bedeckt werden. Haben sich die Kinder verbrüht, bitte die Kleidung entfernen und sofort die Stelle mit kaltem Wasser behandeln. Schnittwunden mit einem Pflaster verbinden.
Nach dem Kochen

Wahrscheinlich ähnelt die Küche hinterher einem Schlachtfeld. Kinder müssen lernen, dass das Aufräumen zum Kochen dazugehört, auch wenn es nicht so viel Spaß bereitet. Zunächst wird die Küche grob gereinigt, Abfälle werden weggeworfen und schmutzige Töpfe eingeweicht. Nach dem Essen kann das Kind dann mithelfen, den Geschirrspüler einzuräumen oder abzutrocknen.

Mit Begeisterung werden sich die Kinder dagegen auf das Tischdecken stürzen. Erklären Sie Ihren Kindern, wie das Besteck und die Gläser richtig hingelegt werden. Wenn noch etwas Zeit bleibt, runden kunstvoll gefaltete Servietten das Bild ab.

Und dann heißt es guten Appetit!

Autorin

Adelheid Fangrath M.A. ist Kunsthistorikerin und arbeitet als freie Autorin.

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Adelheid Fangrath
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Erstellt am 20. Oktober 2004, zuletzt geändert am 15. April 2010