So können sich die Voraussetzungen für den Schulstart verbessern

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung des Modellprojekts „Schulreifes Kind" in Baden-Württemberg zeigen unter anderem: Kinder mit Entwicklungsrisiken werden bei gezielter Zusatzförderung im letzten Kita-Jahr seltener vom Schulbesuch zurückgestellt.

„Die gezielte und frühzeitige Zusatzförderung von Kindern mit Entwicklungsrisiken, wie sie im Modellprojekt „Schulreifes Kind" umgesetzt wird, hat das Potenzial, die Voraussetzungen der Kinder für eine erfolgreiche Teilnahme am Grundschulunterricht zu verbessern." Dieses Fazit zieht Professor Dr. Marcus Hasselhorn vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF). Er leitet das DIPF-Team, das das Modellprojekt gemeinsam mit weiteren Forschungsgruppen an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (um Professor Dr. Hermann Schöler) und der Universität Würzburg (um Professor Dr. Wolfgang Schneider) im Auftrag des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg wissenschaftlich begleitet hat. „Schulreifes Kind" wurde vom Ministerium ins Leben gerufen und soll helfen, Kinder mit Entwicklungsverzögerungen besser auf den Schulstart vorzubereiten. Seit 2007 wurde es an etwa 250 Standorten in dem Bundesland umgesetzt.

Pro Standort nahmen in der Regel mehrere Kitas und eine Grundschule teil. Kernelemente des Projekts sind:

  • eine frühe Diagnostik schulrelevanter Entwicklungsrückstände im vorletzten Kita-Jahr,
  • ein für jedes Kind mit festgestellten Auffälligkeiten einberufener „Runder Tisch" mit Vertreterinnen und Vertretern der Kitas und der Grundschulen sowie den Eltern und
  • auf Basis dieser Beratung eine gezielte Zusatzförderung – etwa der Sprachentwicklung und der mathematischen Kompetenzen – im letzten Kita-Jahr.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung wurden nun veröffentlicht.

Ausgewählte Ergebnisse

Die Unterschiede im sprachlichen und mathematischen Bereich zwischen Kindern mit Zusatzförderung und solchen, die aufgrund ihres Entwicklungsstands keine Zusatzförderung erhalten hatten, verringerten sich im Lauf des letzten Kita-Jahres bedeutsam. Bei den frühen mathematischen Leistungen zeigten sich am Ende der Kita-Zeit sogar überhaupt keine relevanten Unterschiede mehr. Besonders stark profitierten Kinder von der Zusatzförderung in den Einrichtungen, die an einem von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durchgeführten Coaching teilgenommen hatten – abgestimmt auf die individuellen Bedarfe der Kitas. Zudem wurden Kinder mit Entwicklungsrisiken, die die Zusatzförderung erhalten hatten, deutlich seltener vom Schulbesuch zurückgestellt. Während 13,5 Prozent dieser Kinder zurückgestellt wurden, lag die Rückstellungsquote bei auffälligen Kindern ohne Zusatzförderung bei 23,9 Prozent. Auch erreichten am Ende der 3. Grundschulklasse knapp 70 Prozent der zusätzlich geförderten Kinder die Bildungsstandards im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen.

Die wissenschaftliche Begleitung bewertet die Ergebnisse insgesamt als „pädagogisch ermutigend", weist aber darauf hin, dass ihre Aussagekraft zu relativieren ist. Denn die Maßnahmen wurden unter individuell ganz unterschiedlichen Bedingungen im Alltag der Kitas durchgeführt. Daher können die Forscherinnen und Forscher bislang nicht wissenschaftlich abgesichert einordnen, auf welche Ursachen die positiven Effekte im Einzelnen zurückzuführen sind. Dazu wären Untersuchungen unter anderen Voraussetzungen mit kontrollierteren Bedingungen vonnöten. Zudem ist unklar, wie sich die Bestandteile eines solchen Modellprojekts auch auf breiter Ebene umsetzen lassen. Denn bei Modellprojekten werden die Innovationen in der Regel in Einrichtungen implementiert, in denen die Beteiligten besonders engagiert sind und eine hohe Identifikation mit der Neuerung besteht.

Der Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung ist im Verlag Hogrefe erschienen:
www.hogrefe.de/programm/das-projekt-schulreifes-kind.html

Quelle

Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung